Kurilen: Spannungen zwischen Japan und Russland
Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Kurilen-Insel Iturup (Japanisch: Etorofu) im Nordpazifik hat in Japan scharfen Protest ausgelöst. Tokio beansprucht die vier südlichen Kurileninseln seit Ende des Zweiten Weltkriegs für sich – ebenso Moskau, unter dessen Verwaltung sie stehen. Laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass war es Putins erste Reise auf die Kurilen. Kommentatoren ordnen ein.
Blaupause für besetzte ukrainische Gebiete
Das Beispiel der Kurilen führt vor Augen, was Russland mit den annektierten Territorien in der Ukraine vorhat, analysiert Forum24:
„81 Jahre ohne Friedensvertrag. 81 Jahre, in denen aus der 'vorübergehenden Besetzung' verfassungsrechtlich verankertes Staatsgebiet wurde. ... Hat der russische Bär erst einmal zugegriffen, lässt er nicht mehr los. Er verhandelt nicht, gibt nicht nach, weicht nicht zurück. Er wartet zynisch ab, bis die Welt das Interesse verloren hat und wegschaut. Und währenddessen baut er auf dem gestohlenen Land eine Schule und eine Fischzucht. ... Putin posierte dort für all die westlichen Politiker und Unterhändler, die nun am Grünen Tisch ausrechnen, wie viel ukrainisches Territorium 'vorübergehend' unter russische Verwaltung gestellt werden könnte.“
Abberufung des Botschafters eher unwahrscheinlich
In einem von Echo übernommenen Telegram-Post skizziert Japan-Experte Wassili Golownin die möglichen Folgen der Visite Putins:
„Der heutige Besuch von Präsident Wladimir Putin auf der Südkurilen-Insel Iturup löste in Japan umgehend eine scharfe Reaktion aus, die bewusst in äußerst harschen Worten formuliert wurde. ... Einige Experten in Tokio äußern bereits die Ansicht, dass die japanische Regierung als Reaktion darauf sogar ihren Botschafter aus Moskau abberufen könnte. Ich persönlich glaube jedoch nicht, dass es dazu kommen wird. Als Reaktion auf Medwedews Besuch [2010, damals russischer Präsident] auf den Südkurilen wurde der japanische Botschafter beispielsweise aus Moskau abberufen – und anschließend hat man sich lange damit herumgequält, wie man ihn wieder nach Russland zurückschicken kann.“
Beidseitiges Muskelspiel
Radio Kommersant FM erwartet dauerhafte Spannungen in den Beziehungen zwischen Japan und Russland:
„Die japanische Regierung hatte den Kreml über diplomatische Kanäle eindringlich gebeten, diese Reise abzusagen oder zumindest die Berichterstattung darüber auf ein Minimum zu beschränken. Es geschah jedoch genau das Gegenteil. Der Besuch auf der Insel wurde zeitlich mit groß angelegten Manövern der Pazifikflotte verknüpft. ... Japan erhöht seine Militärausgaben, kauft Tomahawk-Raketen von den USA und streckt seine Fühler in Richtung des russischen Fernen Ostens aus. Am Ende drängt sich ein weiterer Begriff aus der Zeit des Kalten Krieges auf: Japan als der 'unsinkbare Flugzeugträger' der USA. Dies wird offenbar auch in den kommenden Jahren so bleiben.“