Iran-Krieg: Kommt es zur Eskalation?
Nach Ablauf der zweimonatigen Verhandlungsfrist zwischen Iran und den USA stehen die Zeichen erneut auf Eskalation. Trump drohte Teheran mit einem Wirtschaftskrieg. Man wolle auch alle Länder bestrafen, die den Iran unterstützten. Besonders scharfe Worte richtete der US-Präsident an Oman, das man "in Grund und Boden bomben" werde, solle es sich den USA in den Weg stellen. Teheran drohte seinerseits mit Angriffen auf US-Verbündete.
Trump bellt, weil er nicht beißen kann
Was hinter den Drohungen gegen Oman steht, erklärt die Süddeutsche Zeitung:
„Trump will seinen Wählern daheim das Gefühl vermitteln, dass die in der Straße von Hormus auf Grund gelaufene US-Militärmacht weiter tun kann, was sie will. Kann sie aber nicht. Hinter der Drohgebärde gegen Oman steht eine bittere Einsicht. Teheran hat mit der Straße von Hormus das Druckmittel in der Hand. Um die Kontrolle über die für die Energieversorgung der Welt so wichtige Wasserstraße abzusichern, muss Iran seine arabischen Nachbarn rasch einbinden – die Saudis, Iraker, Kuwaiter, Emirater. Und vor allem Oman, den Anrainer am westlichen Ufer der Straße. Am Ende dieses Kriegs, so hofft Teheran, könnte ein kollektives Sicherheitssystem am Golf entstehen. Die USA als Schutzmacht der Araber wären raus. ... Iran wäre die Vormacht am Golf. Deshalb bellt Trump so laut.“
Erst einmal Krawall machen
Eine Verzweiflungstat meint der Tages-Anzeiger zu erkennen:
„Donald Trump ist ein schlechter Verlierer. Die Machthaber in Teheran haben das früh verstanden – und den US-Präsidenten in sechs Monaten Krieg militärisch und politisch Schritt für Schritt gekonnt auflaufen lassen. Nun muss Trump die wenigen Karten, die er noch in der Hand hat, neu bewerten. Findet er noch ein Ass oder einen Joker? Der Überwältigungssieg aus der Luft ist ausgeblieben. Der politische Deal zur Öffnung der Strasse von Hormuz erweist sich als Non-Starter. Die Islamische Republik wirtschaftlich zu erdrosseln, wird dauern, und ein Erfolg ist keineswegs garantiert. Was also tun? Erst einmal Radau machen.“
Lageverschärfung könnte schnell Europa treffen
Večernji list ist besorgt:
„Iran könnte, im Falle einer neuen US-Eskalation den Konflikt weit außerhalb des Nahen Ostens ausweiten und selbst Europa bedrohen. ... Teheran erwägt Angriffe auf US-Militärobjekte in Südosteuropa. ... Statt nur auf US-Schläge im Nahen Osten zu antworten, würde Teheran Washington zeigen, dass die Folgen der Eskalation Verbündete und Militärkapazitäten tausende Kilometer vom Iran entfernt treffen könnten. ... Europa könnte vom Kriegsbeobachter zur neuen Front werden.“