Iran: Setzen die USA nun auf einen Wirtschaftskrieg?

Nach Ablauf der zweimonatigen Verhandlungsfrist zwischen Iran und den USA ist keine Einigung in Sicht. Trump drohte Teheran nun mit einem Wirtschaftskrieg. Man wolle auch alle Länder bestrafen, die den Iran unterstützten. Besonders scharfe Worte richtete der US-Präsident an Oman, das man "in Grund und Boden bomben" werde, solle es der US-Strategie im Weg stehen. Teheran drohte seinerseits mit Angriffen auf US-Verbündete.

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Frankfurter Rundschau (DE) /

Weniger Bomben, ansonsten keine gute Nachricht

Die Frankfurter Rundschau sieht in den neuen Drohungen aus Washington eine Kurskorrektur:

„Sie sind ein Eingeständnis, dass der Konflikt mit dem Iran kurzfristig weder militärisch noch diplomatisch zu gewinnen ist. Nun sollen ökonomische Strafen langfristig das wirtschaftlich angeschlagene Regime in die Knie zwingen. Das dürfte den Menschen im Iran weitere US-Angriffe und den Menschen in den Golfstaaten iranische Vergeltungsschläge ersparen. Ansonsten ist es keine gute Nachricht. Die Energiepreise werden bis auf weiteres hoch bleiben und damit die Weltwirtschaft belasten. Die Mullahs werden weiter Iranerinnen und Iraner terrorisieren.“

Český rozhlas (CZ) /

Totalitäre Regime kriegt man so nicht klein

Český rozhlas kommentiert:

„Es scheint fast so, als ob Trump, der nicht weiß, wie er den Konflikt mit dem Iran beenden soll, in eine Art Parallelwelt flüchtet. Darin sollen die Vereinigten Staaten die Lage am Persischen Golf vollständig unter Kontrolle und daher keine militärischen Angriffe mehr auf den Iran nötig haben. Alles, was nötig sei, sei eine Wirtschaftsblockade, die den Iran zur Kapitulation zwinge. ... Trumps Finanzminister Scott Bessent spricht von einer Blockade, wie sie die Geschichte noch nie gesehen hat. Doch der Iran kann wirtschaftlichem Druck lange standhalten. Ein totalitäres Regime hat eine andere Widerstandsschwelle als demokratische Staaten.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Das Scheitern der Trump-Politik

Der Druck auf Iran ließe sich nur über China steigern, betont die Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Peking aber hat die Amerikaner in der Hand, nicht nur bei deren Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen. Die Chinesen werden Iran nicht fallen lassen, da sie ihrerseits von dessen Öllieferungen abhängig bleiben. Auch hilft es ihnen, dass die US-Streitkräfte sich am Golf aufreiben, statt im Pazifik auf Wacht zu sein. ... Und so gräbt sich Trump sein eigenes politisches Grab. Seine undurchdachten Ziele wird er nicht erreichen – sie sind zu groß, die Wege, die er einschlägt, völlig falsch.“

Süddeutsche Zeitung (DE) /

Trump bellt, weil er nicht beißen kann

Was hinter den Drohungen gegen Oman steht, erklärt die Süddeutsche Zeitung:

„Trump will seinen Wählern daheim das Gefühl vermitteln, dass die in der Straße von Hormus auf Grund gelaufene US-Militärmacht weiter tun kann, was sie will. Kann sie aber nicht. Hinter der Drohgebärde gegen Oman steht eine bittere Einsicht. Teheran hat mit der Straße von Hormus das Druckmittel in der Hand. Um die Kontrolle über die für die Energieversorgung der Welt so wichtige Wasserstraße abzusichern, muss Iran seine arabischen Nachbarn rasch einbinden – die Saudis, Iraker, Kuwaiter, Emirater. Und vor allem Oman, den Anrainer am westlichen Ufer der Straße. Am Ende dieses Kriegs, so hofft Teheran, könnte ein kollektives Sicherheitssystem am Golf entstehen. Die USA als Schutzmacht der Araber wären raus. ... Iran wäre die Vormacht am Golf. Deshalb bellt Trump so laut.“

Tages-Anzeiger (CH) /

Erst einmal Krawall machen

Eine Verzweiflungstat meint der Tages-Anzeiger zu erkennen:

„Donald Trump ist ein schlechter Verlierer. Die Machthaber in Teheran haben das früh verstanden – und den US-Präsidenten in sechs Monaten Krieg militärisch und politisch Schritt für Schritt gekonnt auflaufen lassen. Nun muss Trump die wenigen Karten, die er noch in der Hand hat, neu bewerten. Findet er noch ein Ass oder einen Joker? Der Überwältigungssieg aus der Luft ist ausgeblieben. Der politische Deal zur Öffnung der Strasse von Hormuz erweist sich als Non-Starter. Die Islamische Republik wirtschaftlich zu erdrosseln, wird dauern, und ein Erfolg ist keineswegs garantiert. Was also tun? Erst einmal Radau machen.“

Večernji list (HR) /

Lageverschärfung könnte schnell Europa treffen

Večernji list ist besorgt:

„Iran könnte, im Falle einer neuen US-Eskalation den Konflikt weit außerhalb des Nahen Ostens ausweiten und selbst Europa bedrohen. ... Teheran erwägt Angriffe auf US-Militärobjekte in Südosteuropa. ... Statt nur auf US-Schläge im Nahen Osten zu antworten, würde Teheran Washington zeigen, dass die Folgen der Eskalation Verbündete und Militärkapazitäten tausende Kilometer vom Iran entfernt treffen könnten. ... Europa könnte vom Kriegsbeobachter zur neuen Front werden.“