Schulanfang: Handys, Social Media und Privatschulen
In Europa hat die Schule wieder begonnen – und damit auch nationale Debatten, wie Schulen und Lehrkräfte auf die Nutzung digitaler Endgeräte reagieren sollen. Dabei gibt es mehrere Lösungsansätze, von einer kontrollierten Nutzung über Verbote an Schulen. Und die Frage, wie sich Handynutzung sinnvoll im Schulalltag integrieren lässt.
Sichere Kindheit gewährleisten
Die Expertin für digitale Mediennutzung Magdalena Bigaj wirbt in Tygodnik Powszechny für Freiräume von Handys und Social Media:
„In einer Zeit, in der viele Technologieunternehmen Menschen wie Biomasse und als 'Datenfarm' behandeln, brauchen wir neue gesellschaftliche Normen: eine digital sichere Kindheit und Schulen, die frei vom Einfluss der Digitalwirtschaft sind. Normen entstehen jedoch erst, wenn sie für die Gesellschaft verständlich sind, gelebt werden und als umsetzbar wahrgenommen werden. Die Bereitstellung konkreter Leitlinien und einheitlicher Instrumente ist für die Schulen der Schlüssel zum Erfolg. Selbst wenn es gelingt, den Schülern während ihrer Schulzeit das zu entziehen, was sie in den letzten Jahren uneingeschränkt genutzt haben, bleibt eine Frage unbeantwortet: Was geben wir ihnen dafür im Gegenzug?“
Bildschirmzeit macht Schule
Die Warnungen vor zu viel Bildschirmzeit werden in den Schulen ignoriert, moniert Irish Examiner und fordert eine entsprechende Auseinandersetzung mit dem Thema:
„In ganz Irland werden digitale Geräte in den Klassenzimmern der Grundschulen still und leise zur Normalität. Nicht als Wahlfach oder Pilotprojekt, für das sich Eltern entscheiden können, sondern zunehmend als Mittel zur Vermittlung von Bildung an sich. Damit gehen Risiken einher. Doch eine Debatte mit den Eltern fand nicht statt, obwohl das Ministerium die Schulen ausdrücklich angewiesen hatte, ihre Schulgemeinschaften – einschließlich der Eltern – zu konsultieren. Was dies besonders schwer zu akzeptieren macht, ist die Tatsache, dass die Warnungen kaum deutlicher sein könnten.“
Es braucht einen sinnvollen Kompromiss
Handylose Zeit in der Schule kann weiterhin Vorteile haben, meint der Wirtschaftsforscher Géza Sebestyén in Infostart:
„Ein funktionierender Kompromiss könnte eine Schule mit zwei Betriebsmodi sein. Während der geschützten Zeit ist das Handy physisch unzugänglich, es gibt keine Benachrichtigungen und keine unerlaubte Nutzung. In der gesteuerten Zeit hingegen bestimmt die Lehrkraft das zu verwendende Gerät, die Aufgabe und die Art der Kontrolle. Eine solche Ausnahme zu Bildungszwecken, wie das auch in den Regelungen in Polen vorgesehen ist, ermöglicht eine derartige Umstellung, damit der Bildschirm kein ständiges Hintergrundrauschen darstellt, sondern ein für einen bestimmten Zweck eingesetztes Lehrmittel. “
Bildung wird zur knappen Ressource
Bildung soll eigentlich Ungleichheiten ausgleichen – stattdessen reproduziert oder verstärkt sie sie oft, so der Ökonom Romas Lazutka in LRT:
„Es ist verständlich, dass Eltern die beste Schule für ihr Kind wollen. Es wäre seltsam, ihnen deswegen einen Vorwurf zu machen. Die entscheidende Frage betrifft das Bildungssystem selbst – was geschieht, wenn eine gute Schule nicht zu einem gemeinsamen Gut der Gesellschaft wird, sondern zu einer knappen Ressource? ... Der schnell wachsende private Schulsektor verschärft dieses Problem noch. Eine Privatschule ist an sich kein Problem. ... Wenn jedoch unterschiedliche soziale Gruppen Bildung unterschiedlicher Qualität kaufen, wird die Schule nicht zu einem Mechanismus sozialer Mobilität, sondern zu einem Mechanismus sozialer Differenzierung. Darin liegt das Paradox – Bildung, die eigentlich Ungleichheit verringern soll, reproduziert sie.“