UN: 1,5-Grad-Klimaziel nicht mehr zu halten
2015 einigten sich die meisten Länder weltweit auf 1,5 Grad maximale Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die UN verkündete nun, dass dieses Ziel nicht erreicht werden kann und der durchschnittliche globale Temperaturanstieg höher ausfallen wird. Die Medien diskutieren nun, was getan werden kann - und muss.
Jedes Zehntelgrad zählt
Die Frankfurter Rundschau fordert, mit den Anstrengungen nicht nachzulassen:
„Die 1,5 Grad sind keine Klippe, hinter der jede Anstrengung sinnlos wird. Es ist eine Warnlinie. Mit jedem zusätzlichen Zehntelgrad nehmen Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Ernteverluste und der Anstieg des Meeresspiegels weiter zu. Und mit jedem Jahr über dieser Marke wächst die Gefahr, dass Eisschilde, der Amazonas-Regenwald oder große Meeresströmungen irreversible Kipppunkte erreichen. Was bereits 1,4 Grad globale Erwärmung bedeuten, war in Europa in diesem Sommer zu besichtigen: Rekordhitze, Dürre, Waldbrände, niedrige Flusspegel – und Zehntausende zusätzliche Todesfälle während der Hitzewellen. Die Vorstellung, man könne sich an zwei oder gar drei Grad anpassen, ist verantwortungslos.“
Jetzt hilft nur noch ein globales Großprojekt
Um die globale Erwärmung wieder auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, gibt es drei Lösungspfade, schreibt Der Spiegel:
„[U]nd wir brauchen sie alle: Wir müssen unsere Gesellschaften wappnen gegen die Gefahren eines wärmeren Klimas. Die Menschheit muss sehr schnell aufhören, CO2 freizusetzen. Und sie muss Hunderte Milliarden Tonnen CO2 wieder einfangen. Noch weiß aber niemand, wie das gehen könnte. Bäume pflanzen reicht nicht mehr. Wir brauchen ein globales Großprojekt zur CO2-Sanierung der Atmosphäre.“
Stauseen müssen Gletscher ersetzen
Weil die Gletscher verschwinden, müssen in der Schweiz mehr Wasserreservoire in den Bergen gebaut werden, mahnt die Neue Zürcher Zeitung:
„Schon Mitte des Jahrhunderts dürften laut einer Studie des National Centre for Climate Services 50 bis 90 Prozent der Gletscher verschwunden sein. Darauf müssen sich die Bergregionen vorbereiten – nicht bloss auf die nächste Saison. Immer und immer wieder wird die Schweiz als das Wasserschloss Europas bezeichnet, die Alpengletscher sind noch immer ihr grösstes Wasserreservoir. Doch wenn die Gletscher verschwunden sind, fehlen diese natürlichen Speicher. ... Die Staudämme in den Alpen sind bis anhin das Rückgrat der Schweizer Stromproduktion. In Zukunft werden sie auch in anderen Bereichen an Bedeutung gewinnen: für die Wasserversorgung des ganzen Landes.“
Mehr Tempo bei ökologischer Transformation
Avvenire warnt in diesem Zusammenhang vor einer Krise des sozialen und wirtschaftlichen Klimas:
„Der Herbst wird garantiert heiß. Die globale Erwärmung setzt uns zu und trifft auf den El-Niño-Zyklus. ... Ob er allerdings auch bei den sozialen Spannungen heiß wird, hängt allein von uns und unserer Fähigkeit ab, die Zeit der beiden Transformationen, die wir gerade erleben – der ökologischen und der digitalen –, richtig zu verstehen und bestmöglich zu bewältigen. Was die ökologische Transformation betrifft, müssen wir das Tempo erhöhen und entschlossen den einzigen Souveränismus verfolgen, den wir wirklich brauchen: die energetische Unabhängigkeit. Dabei müssen wir uns stets vor Augen halten, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern eine besonders folgenreiche Krankheit hervorbringt: eine durch steigende Energiepreise ausgelöste Inflation. “