25 Jahre nach 9/11: Wie geht es Amerika?
Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Flugzeuge ins New Yorker World Trade Center und ins Pentagon in Washington D.C. flogen. Es war der bislang schwerste Terroranschlag der Geschichte mit insgesamt 2996 Toten und mehr als 6000 Verletzten. Der damalige US-Präsident George W. Bush erklärte in der Folge einen weltweiten "Krieg gegen den Terror". Dessen Auswirkungen sind nach Ansicht vieler Kommentatoren bis heute zu spüren.
Islamophobie und Hass greifen um sich
Der Terroranschlag war eine Zeitenwende für die USA und die Welt, schreibt Visão:
„Der 11. September 2001 markierte einen Wendepunkt in Sachen Sicherheit und veränderte die Abläufe an Flughäfen und an öffentlichen Orten für immer. Und er veranlasste die USA, einen radikal polarisierenden Kurs einzuschlagen, bei dem die traditionelle diplomatische Sprache rasch durch moralische und religiöse Proklamationen ersetzt wurde. ... Das dadurch geschaffene Klima hat letztendlich das soziale Gefüge, die bürgerlichen Freiheiten und die institutionelle Architektur der westlichen Demokratien umfassend umgestaltet. Und es hat einerseits die Islamophobie und andererseits den Hass auf Amerika geschürt.“
Nicht mehr Bollwerk der Demokratie
Das Land hat sich selbst verloren, merkt Corriere della Sera an:
„Amerika hat seine Rolle als Bollwerk der westlichen Demokratien eingebüßt: Im Inneren ist der Impuls zur nationalen Einheit, der nach dem Terroranschlag von Al-Qaida entstanden war, zerfallen – zermürbt durch den gigantischen und kopflosen 'War on Terror' der Bush-Präsidentschaft. ... Eine 'imperiale' Reaktion und der gescheiterte Versuch, die Demokratie zu exportieren: Beides hat gegenüber Verbündeten wie Gegnern dem Ansehen Washingtons als Garant der weltweiten Machtbalance geschadet, während es im eigenen Land eine Reihe von Fehlentwicklungen in Gang setzte, die schließlich im souveränistischen Populismus eines zunehmend autoritären Donald Trump mündeten.“
Trump ist ein Erbe des Krieges
Delfi-Kolumnist Liudas Dapkus schreibt:
„Donald Trumps erste Spuren auf dem Weg zum Machtolymp sind ebenfalls eng mit jener Welt verknüpft, die Amerika nach dem 11. September zu erschaffen begann. Fremdenfeindlichkeit, Ideen vom Mauerbau, Versprechen zur Vertreibung von Muslimen – das war der Treibstoff, den sowohl er als auch jener verunsicherte Teil der Gesellschaft ins Feuer goss, dessen Erwartungen später von der Maga-Bewegung bedient wurden. ... Das Chaos, das die Figur Donald Trump in der Welt sät, und all die Ereignisse, die noch auf uns warten, sind nur Dominosteine, die immer noch fallen – seit jenem sonnigen Dienstagmorgen, an dem Flugzeuge in die Wolkenkratzer Manhattans krachten. ... So wurde uns der Krieg erklärt. Er dauert bis heute an.“