Griechenland verbessert seine Kreditwürdigkeit
Zwei Ratingagenturen, Scope Ratings und Moody's Ratings, haben Griechenland am Wochenende bessere Noten für die Kreditwürdigkeit gegeben. Diese sind für das einstige Krisenland wichtig, weil sie die Kreditaufnahme des Staates verbilligen. Damit einhergehend profitieren auch griechische Unternehmen von dem besseren Kreditrating. Geht es dem Krisenland heute wirklich besser?
Widerstandsfähigkeit gestärkt
Dies ist eine gute Entwicklung, freut sich Proto Thema:
„Die Heraufstufung auf BBB+ bedeutet nicht, dass Griechenland nun frei von Risiken ist. Es bedeutet jedoch, dass die Ratingagenturen eine größere Widerstandsfähigkeit in der Haushaltsentwicklung des Landes erkennen, mit einer besseren Fähigkeit, internationalen Turbulenzen zu begegnen, ohne in die Verhältnisse der vergangenen Krise zurückzufallen. Das internationale Umfeld macht diese Entwicklung noch bedeutender. Wenn Staaten nach Mitteln suchen, um Unterstützungsmaßnahmen zu finanzieren und die Folgen von Krisen abzufedern, ist ein besseres Kreditrating ein wertvolles Vermögen. Sie kann das Vertrauen der Märkte stärken und in einer Zeit, in der die Kreditkosten nach wie vor ein entscheidender Faktor sind, mehr Sicherheit bieten.“
Das Land ist noch nicht über den Berg
Griechenland darf jetzt nicht nachlassen, mahnt Moneyreview:
„Die deutliche Verbesserung der Haushaltskennzahlen, der rasche Abbau der Staatsverschuldung, die Stärkung der Investitionen sowie die Reformen, die sich nach Ansicht der Ratingagenturen in einer größeren Widerstandsfähigkeit der griechischen Wirtschaft niederschlagen: Das Bild ist jedoch nicht ganz ungetrübt. ... Die Staatsverschuldung gehört weiterhin zu den höchsten in der Eurozone, während das Wachstumspotenzial, die Produktivität, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte und der demografische Druck nach wie vor erhebliche Herausforderungen darstellen. Die Botschaft der beiden Agenturen ist daher zwiegespalten: Die Aufrechterhaltung der Haushaltsdisziplin und die Fortsetzung der Reformen werden darüber entscheiden, ob die Verbesserung der Bonität einen dauerhaften Charakter annehmen kann.“
Die Bevölkerung spürt nichts
Von positiven wirtschaftlichen Entwicklungen merken die privaten Haushalte in Griechenland wenig, wirft Naftemporiki ein:
„Der Ministerpräsident feierte und betonte, dass sich das Bild Griechenlands als 'Insel der politischen und wirtschaftlichen Stabilität' bestätige. ... Es gibt zwar Wirtschaftsdaten, die in Diagrammen und Berichten 'durch die Decke gehen', aber es gibt auch jene 'hartnäckigen' Realitäten, die die Griechen am eigenen Leib spüren, ohne dass sie dafür ausländische Institute konsultieren müssen. Sie gehen einfach in den Supermarkt, zahlen die sehr hohen Mieten oder den Hypothekenkredit, tanken Benzin zu unvorstellbaren Preisen und machen sich darauf gefasst, im Winter zu frieren, da Heizöl bei fast 1,75 Euro pro Liter und Erdgas auf dem europäischen Markt bei mehr als 80 Euro pro Megawattstunde liegen.“