Frankreich: Schülerproteste eskalieren in Gewalt
In Frankreich breitet sich eine Protestbewegung an den Gymnasien aus. Die Schüler fordern mehr Lehrkräfte, die Renovierung maroder Schulgebäude und eine bessere Ausstattung. In mehreren Städten kam es bei Schulblockaden zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei, die Hunderte junge Leute festnahm.
Die Jugend bricht ihr Schweigen
Die jungen Franzosen sind keineswegs von der Realität abgekoppelt, betont Jean-Emmanuel Ducoin, Chefredakteur von L’Humanité:
„Die gleichen Schüler, die wir für still und apathisch hielten, erheben nun ihre Stimme. Sie versammeln sich. Sie demonstrieren. ... Wir verstehen nun, dass die ohrenbetäubende Stille vielleicht nicht das war, was wir dachten. Junge Menschen können vor einem Bildschirm schweigen und lautstark sprechen, wenn es um ihre Schule, ihre Lebensbedingungen und ihre Zukunft geht. Daher stellt sich die Frage: Können wir ihnen noch zuhören? Und wie bringen wir sie zum Sprechen? Diese Schüler, die wir für 'stumm' gehalten hatten, positionieren sich als engagierte Bürger. ... Laut und deutlich, wenn die Situation dringlich wird.“
LFI-Bürgermeister legitimiert Ausschreitungen
Dass der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, der der Links-Außen-Partei LFI angehört, die Kritik der Schüler unterstützt, kritisiert Politologe Nicolas Lecaussin in Contrepoints:
„Wenn er Angriffe auf Polizisten und Lehrer in seiner Stadt gutheißt und diejenigen als die wahren Schuldigen bezeichnet, die angeblich 'das republikanische Versprechen nicht eingehalten haben', betreibt er keine Politik: Er vermittelt den Jugendlichen seiner Stadt, dass das Gesetz je nach Verdienst des Anliegens ausgehandelt werden kann. Genau das ist die Definition dessen, was Rechtsstaatlichkeit nicht ist. … Teenager haben am Montag also von ihrem Bürgermeister, einem gewählten Volksvertreter, gelernt, dass Brandstiftung, Vandalismus und Konfrontationen mit der Polizei gerechtfertigt sein können, wenn sie einem guten Zweck dienen.“
Präsident versagt im Kampf gegen Extremismus
Macron hat die politischen Ränder erstarken lassen, kritisiert Le Figaro:
„Sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl nutzt Jean-Luc Mélenchon, der brandstiftende Kandidat, jede Gelegenheit. Getreu seiner 'Kuckucksstrategie' will er jegliche Wut ausnutzen, um Konflikte zu schüren und zu bündeln. Er nutzt nicht nur Schüler als Kanonenfutter für den Wahlkampf, sondern hat sich am Dienstag auch an der Seite streikender Beamter gezeigt und seine Gefolgsleute haben sich in den Marsch der Pariser Feuerwehrleute eingereiht. … Emmanuel Macron ist zweimal mit dem Versprechen gewählt worden, ein Bollwerk gegen den Rassemblement National zu sein. Wir sehen, was daraus geworden ist. Und obendrein war die extreme Linke in Frankreichs Großstädten nie zuvor so stark.“