Putins Fragestunde: Nichts Neues vom Präsidenten?

Russlands Präsident Putin hat in seiner alljährlichen Pressekonferenz die USA für die Aufkündigung des Rüstungskontrollvertrags INF und Ukraines Staatschef Poroschenko für den Vorfall an der Meerenge von Kertsch kritisiert. Für Kommentatoren war die Fragerunde zum Gähnen - dennoch ließ sie der eine oder andere Satz Putins in der vierstündigen Veranstaltung aufmerken.

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Zaxid.net (UA) /

Alles nur ein alter Hut

Auch wenn in Putins Rede nicht viel Neues zu hören war, hat es sich gelohnt, ihr zu folgen, meint der Chefredakteur von Zaxid.net, Wassyl Rassewytsch:

„Der vierstündige 'politische Striptease' des gealterten und von der totalen Macht und kompletten Straflosigkeit übersättigten Wahnsinnigen ist die verlorenen Gehirnzellen des Zuschauers wert. Die Antworten Putins haben sich nicht um ein Iota von den Thesen der aggressiven russischen Propaganda unterschieden, die allen bis zum Erbrechen bekannt sind. Doch interessant war, ein weiteres Mal zu vernehmen, wie Putin sich vor seinen Untertanen wand. Das, was er über die Außenpolitik redet, ist seit langem bekannt. Doch zu hören, wie er die Stagnation der Wirtschaft und die Abminderung der Sozialstandards erklärt, war bemerkenswert.“

Ekho Moskvy (RU) /

Vier Stunden Huldigung und Palaver

Dass das alljährliche Interview so langweilig ist, schreibt Echo Moskwy auch den Journalisten zu:

„Das Problem ist: Putin hat uns einfach nichts mehr zu sagen. Es ist sein Glück, dass die Leute ein kurzes Gedächtnis haben und nicht merken, dass er in etwa das Gleiche sagt wie vor fünf oder zehn Jahren. Die gleichen Versprechungen, die gleichen Verwünschungen, die gleichen Feinde, die uns keine Ruhe lassen. ... Das Problem liegt aber nicht nur bei Putin, sondern auch bei den Journalisten - und das ist ernster: Das Spektakel wird langweilig und primitiv, wenn wir in vier Stunden nur ein paar echte Journalistenfragen hören. ... Stattdessen sehen wir die Begeisterung einer Provinzjugend, die glücklich ist, Putin live in Moskau zu sehen. Oder die Staatsmedien, beflissen wie Kellner, die nichts mehr zu bieten haben, außer ihrer Bewunderung.“