Was tun mit den Kindern der IS-Kämpfer?

Kinder von getöteten oder inhaftierten Kämpfern der IS-Terrormiliz tragen keine Schuld an den Verbrechen ihrer Eltern. Bei der Debatte darüber, ob und wie man die Kinder in die Heimat ihrer Eltern zurückführen sollte, werden in Europa Erinnerungen an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wach.

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De Morgen (BE) /

Extremismus mit Menschlichkeit besiegen

Rund 50 Kinder von belgischen IS-Kämpfern sitzen gefangen in Lagern im Irak oder in Syrien. De Morgen fordert, dass sie so schnell wie möglich zurückgeholt werden und verweist auf Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg:

„Unser Land sollte auch seine Lektion gelernt haben aus den Fehlern der Kollaboration und Repression nach dem Zweiten Weltkrieg. Kinder von (mitunter ehemaligen) IS-Mitgliedern sind Opfer der gewalttätigen Sekte, die ihre Eltern einverleibte. Genau so wie die Kinder von Flamen oder Wallonen, die einst mit der mordenden Waffen-SS an der Ostfront kämpften, Opfer waren. Wenn wir diese Kinder nun im Stich lassen, wird das noch jahrzehntelang für Unfrieden sorgen. Wenn wir jetzt unsere Menschlichkeit zeigen, besiegen wir den Extremismus.“

Göteborgs-Posten (SE) /

Der Fokus stört

Auch Schriftsteller Håkan Boström zieht in Göteborgs-Posten den historischen Vergleich und beschreibt mit einem Gedankenspiel sein Unbehagen:

„Stellen wir uns einmal vor, es ist Sommer 1945 und die schwedischen Zeitungen sind voller Reportagen über die Kinder schwedischer SS-Freiwilliger, die an der Ostfront geblieben sind. Leitartikel fordern, der schwedische Staat müsse diese Kinder heimholen, und letztlich auch deren Eltern. ... Wird diesen SS-Kindern mehr Platz eingeräumt als den jüdischen Opfern der Nazis, von denen viele just Kinder waren, läge der Schluss nahe, die schwedische Öffentlichkeit oder zumindest ihre Repräsentanten wären gefühlskalte Deutschen-freundliche Mitläufer. Sicher, ihr habt Recht mit euren Einwänden. Wir können unsere Abscheu gegenüber den Nazis nicht auf deren Kinder übertragen. ... Ich habe keine Antwort. Dennoch gibt es da etwas, das stört. Irgendetwas stört an diesem Fokus auf die SS-Kinder.“