Was bringen Russlands Investitionen in Afrika?

Russland hat vergangene Woche in Sotschi einen Gipfel und ein Wirtschaftsforum mit hochrangigen Delegationen aus allen afrikanischen Staaten abgehalten. Zum Auftakt verkündete Putin einen Schuldenerlass von 20 Milliarden Dollar. Kommentatoren schreiben, Moskau wolle damit an vergangene Zeiten anknüpfen und seine Rolle in Afrika stärken - sehen die erheblichen Investitionen aber durchaus kritisch.

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Ilta-Sanomat (FI) /

Putin sucht neue Freunde

Nach China versucht nun auch Russland, in Afrika wieder Fuß zu fassen, kommentiert Ilta-Sanomat:

„Als die Sowjetunion noch stark war, war sie in Afrika ein bedeutender Akteur. … Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schwand Moskaus Einfluss, aber nun bringt Putin Russland zurück auf den Kontinent. Hintergrund ist der Wettbewerb um Bodenschätze und die Erkenntnis, dass China bereits Dutzende Milliarden Dollar in diverse Projekte dort investiert hat. … Da die Beziehungen zu den USA und Europa angespannt sind, hat Moskau das starke Bedürfnis, neue Freundschaften zu schließen. In Afrika könnte Putin Anführer finden, die bereit sind, mit Moskau unterschiedliche Geschäfte zu machen, ohne sich dabei von internationalen Regeln oder Menschenrechten einschränken zu lassen.“

Ekho Moskvy (RU) /

Dieses Geld fehlt zu Hause

Echo Moskwy sieht den Schuldenerlass kritisch, denn das Geld fehlt zum Beispiel im eigenen Gesundheitsbudget:

„Alle Stammesfürsten im Saal applaudierten dem russischen Zaren heftig. Aber was denken Russlands Ärzte? Die Summe entspricht in etwa den Ausgaben aller Regionalhaushalte für das Gesundheitssystem. Der Durchschnittslohn eines Arztes in Krasnojarsk liegt derzeit bei 50.000 Rubel [ca. 700 Euro]. [Mit 20 Milliarden mehr im Gesamt-Budget] könnte er gut 110.000 erhalten, da 80 Prozent der Kosten durch die Löhne verursacht werden. Doch es blieb nicht beim Schuldenschnitt: Wir haben diesen afrikanischen Genossen auch noch Kredite im Umfang von 14 Milliarden Dollar geliefert - Geld, das die russischen Bürger erarbeitet haben. Und dann noch für etwa 12 bis 13 Milliarden Dollar Verträge unterzeichnet. Das heißt, ein Provinzarzt könnte locker 200.000 Rubel verdienen.“