Belarus im Dilemma

Nach dem Treffen von Lukaschenka und Putin in Sotschi ist das weitere Schicksal von Belarus weiterhin Gegenstand von Spekulationen. Europas Presse ist sich einig, dass gute Beziehungen zu Russland für das Land von entscheidender Bedeutung sind. Gleichzeitig erscheinen weder Lukaschenka noch die Opposition als wünschenswerte Partner für Moskau.

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Duma (BG) /

Keine Zukunft ohne Russland

Belarus kann sich nicht erlauben, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland zu kappen, warnt Duma:

„Belarus gehört zu den größten Herstellern von Milchprodukten in Europa, die jedoch ausschließlich nach Russland exportiert werden. Wird die künftige Regierung in Minsk diesen Markt verlassen? Die EU wird belarusische Milchbauern nicht auf ihren Markt lassen und sie werden auf der Straße landen - wie in der Ukraine, wo die Europa-Freunde in der Landwirtschaft sich jetzt die Haare raufen, weil die EU sie mit ihren ausgedachten Quoten nicht auf ihren angeblich freien Markt lässt. Kyjiw hat die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland gekappt und ganze Wirtschaftszweige zerstört, und nun verdingen sich die Ukrainer als Taxifahrer, Reinigungskräfte, Kellner oder Altenpfleger in Mitteleuropa. Tichanowskaja bereitet das gleiche Schicksal für die Belarusen vor.“

nv.ua (UA) /

Union mit Moskau brächte keinen Frieden

In nv.ua warnt der aus Russland stammende Publizist Arkadiy Babchenko Belarus davor, mit Russland einen gemeinsamen Staat zu bilden:

„Eure Großväter haben im Traum nicht daran gedacht, dass, sollten sie [gegen die Bolschewiken 1918] verlieren, ihre Urenkel eines Tages [ab 1980] in Afghanistan kämpfen würden. ... All das ist gerade einmal dreißig Jahre her. Ihr wart doch selbst in diesem verrückten Unionsstaat. ... Und in der neuen Unionsarmee werden sie eure Kinder dann auf die Krim schicken, als Soldaten. Wie die Kinder derer, die vor zehn Jahren noch mit Luftballons durch die Straßen meiner Stadt gegangen sind und von friedlichem Protest gesprochen haben, jetzt geschickt werden. Und so wurden sie nicht freie Menschen, sondern Besatzer. ... Habt ihr das kapiert? Ihr könnt nur einen Protest machen - den Protest gegen das Imperium. Für Freiheit und Unabhängigkeit. Und nichts anderes.“

Tvnet (LV) /

Warum stellt Lukaschenka keinen Platzhalter auf?

Das Onlineportal Tvnet stellt Überlegungen an, wie der langjährige Präsident dennoch an der Macht bleiben könnte:

„Eine Möglichkeit, die Lukaschenka nutzen könnte, ist die Nominierung eines Strohmanns. ... Er sollte stark genug sein, um die Stabilität in Belarus zu gewährleisten. Gleichzeitig muss er schwach genug sein, damit Lukaschenka hinter seinem Rücken viel besser als der neue Führer aussieht. ... Die Idee ist nicht neu. Eine ähnliche Situation gab es schon mit beiden Präsidenten aus Venezuela: Hugo Chávez und Nicolás Maduro.“