Stimmt Schottland erneut über Unabhängigkeit ab?

Schottlands Premierministerin Nicola Sturgeon will es noch einmal wagen: Sie strebt ein Referendum über die Unabhängikeit des Landes für den Herbst 2023 an - zur Not auch ohne Zustimmung Londons. 2014 votierten die Schotten mit 55 Prozent für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Welchen Sinn macht eine zweite Volksbefragung?

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The Herald (GB) /

Lähmende Warteschleife

Das Thema schottische Unabhängigkeit muss so schnell wie möglich geklärt werden, glaubt The Herald:

„Die schottische Politik ist seit 2013 in der Warteschleife. Sie ist unfähig, vorwärts zu schreiten, weil ungefähr die Hälfte der Wähler nicht mehr einfach nur das 'obere Anhängsel am Vereinigten Königreich' sein möchte. ... Das Thema wird sich nicht von selbst erledigen und muss geklärt werden, bevor die großen Probleme angegangen werden können, vor denen wir stehen: die Krise der steigenden Lebenshaltungskosten, eine alternde Bevölkerung, relativ geringe Produktivität und Unternehmergeist, ein in Schwierigkeiten steckendes staatliches Gesundheitssystem und eine Wirtschaft, die zu sehr vom öffentlichen Sektor abhängt.“

The Times (GB) /

Diese Generation hat schon entschieden

Dass Sturgeon ein Referendum durchsetzen kann, bezweifelt The Times:

„Die Chancen für ein zweites Referendum innerhalb von acht Jahren stehen schlecht. Anders als die SNP-Regierung in Holyrood [Sitz des schottischen Parlaments], ist die konservative Regierung in Westminster anscheinend nicht bereit, ihr Versprechen zu brechen, das es sich beim Referendum 2014 um ein für eine ganze Generation einmaliges Ereignis handelt. Dasselbe gilt für Labour unter Keir Starmer. ... Auch teilt die schottische Bevölkerung den Eifer Sturgeons nicht. Jüngste Umfragen zeigen, dass 59 Prozent der Wähler, unabhängig von ihrem Standpunkt, im Jahr 2023 kein Referendum wollen.“