Russische Pop-Diva Pugatschowa begehrt auf

Alla Pugatschowa, seit den 1970er Jahren ein Superstar in Russland, hat ein Statement veröffentlicht, in dem sie darum bittet, zum "ausländischen Agenten" erklärt zu werden - in Solidarität zu ihrem Mann, dem Humoristen Maxim Galkin. Der sei ein aufrechter Patriot, der seinem Land "Meinungsfreiheit und ein Ende des Sterbens unserer Jungs für illusorische Ziele, die unser Land zum Paria machen", wünsche.

Alle Zitate öffnen/schließen
Nowaja Gaseta Ewropa (RU) /

Sie sät Zweifel beim Massenpublikum

Kirill Martynow, Chefredakteur der Nowaja Gaseta Ewropa, nimmt Pugatschowa vor dem Vorwurf in Schutz, ihren Antikriegs-Appell zu zurückhaltend formuliert zu haben:

„Diese Kritik ist gerechtfertigt, aber ich denke, die von Pugatschowa gewählte Rhetorik mag auch andere Gründe haben als Vorsicht. Der Aufruf, das 'Sterben unserer Jungs' zu beenden und zum friedlichen Leben zurückzukehren, ist eine Millionen Menschen verständliche These. Diese mögen der Propaganda Glauben schenken und denken, die Ukraine sei 'eine Marionette des Westens' und 'wir wurden zu diesem Krieg provoziert'. Doch Pugatschowa hat Worte gefunden, die bei diesen Leuten Keime des Zweifels sähen. Solche Keime können auf Seiten der Konformisten die Unterstützung des Kriegs zerstören.“

La Vanguardia (ES) /

Wessen Stimme zählt?

La Vanguardia fragt sich, welche Wirkung die wachsende Kritik am Kreml im eigenen Land letztlich haben kann:

„Letzte Woche wurde Russland von eigentlich verbündeten Ländern kritisiert. ... Diese Vorwürfe, die weltweit wachsen, haben ihre Entsprechung im eigenen Land. Gestern wurde bekannt, dass die Sängerin Alla Pugatschowa sich gegen den Einmarsch in die Ukraine ausgesprochen hat. ... Aber es stimmt auch, dass seit Putins Machtantritt vor zwei Jahrzehnten der Kreml fest in der Hand des KGB, jetzt FSB, und verbündeter Oligarchen ist. Rückschläge auf dem Schlachtfeld könnten die Unzufriedenheit im engsten Kreis des Präsidenten verstärken. Hier könnte zu gegebener Zeit gegen ihn vorgegangen werden.“