Olympische Winterspiele in Italien: Läuft alles glatt?
Am heutigen Freitag werden die 25. Olympischen Winterspiele eröffnet. Offizielle Austragungsorte sind erstmals in der Olympia-Geschichte gleich zwei Städte: Mailand und der traditionsreiche Wintersportort Cortina d'Ampezzo. Solange Wettkämpfe und Medaillen noch nicht im Vordergrund stehen, beleuchten die Medien das Großereignis aus ökonomischer und ökologischer Perspektive.
Steuerzahler bleiben auf Kosten sitzen
Das Wirtschaftsblatt Les Echos betrachtet Olympia aus ökonomischer Sicht:
„Die Einnahmen aus Ticketverkauf, Marketingpartnerschaften, TV-Rechten und Beiträgen des Internationalen Olympischen Komitees decken nie die gesamten Kosten. Im Laufe der Zeit sind diese Veranstaltungen zu 'Nation Branding'-Maßnahmen geworden. Die Austragung einer Großveranstaltung hat für Peking während der Olympiade 2008 oder Katar während der WM 2022 zum Image-Wandel eines Landes auf der globalen Bühne beigetragen. Doch bei Ländern, die nichts mehr zu beweisen haben, kann man sich fragen, ob es für sie noch von Interesse ist, auf solche Events zu setzen. Durch Nutzung vorhandener Infrastruktur lassen sich zwar die Kosten senken, am Ende wird aber trotzdem immer der Steuerzahler zur Kasse gebeten.“
Klimawandel im Scheinwerferlicht
Vor 70 Jahren war Cortina d’Ampezzo schon einmal Gastgeber für Olympische Spiele, doch einen Winter wie damals gibt es heute nicht mehr, bemerkt Seznam Zprávy:
„In Cortina gibt es heute 41 Frosttage weniger pro Jahr als 1956. Oder – um es besser auszudrücken – eineinhalb Monate Winter sind verschwunden. ... Setzen sich die Klimatrends fort, wird die Zahl der für die Olympischen Winterspiele infrage kommenden Orte bis 2050 von 93 auf 52 sinken. Das Kriterium für diese Analyse sind mindestens 30 Zentimeter Schnee. ... Die globale Erwärmung ist längst nicht mehr abstrakt oder nur ein Thema für Aktivisten. In Cortina erleben wir sie hautnah, im Scheinwerferlicht der Olympischen Spiele.“
Herausforderung für den olympischen Geist
La Tribune de Genève reflektiert Vor- und Nachteile der Dezentralisierung der Spiele:
„Darin muss man unbedingt einen Fortschritt sehen: hin zu Nachhaltigkeit in Sachen Infrastruktur, aber auch hin zu einem Budget, das man nach einer erschreckenden Kostenexplosion im 21. Jahrhundert im Griff behält. … Bleibt eine nicht zu vernachlässigende Unbekannte: Wird die olympische Begeisterung, diese innige Verbundenheit, die der Gastgeberstadt einst zu euphorischen Höhenflügen verhalf, wirklich spürbar sein, obwohl die Spiele geografisch so auseinandergerissen sind? ... Erste Konsequenz: In Cortina wurde das temporäre olympische Dorf auf einer Brache errichtet – im Campingplatz-Stil. Da ist er, der olympische Geist.“