US-Ultimatum an Iran: Was könnte folgen?

US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf Iran erhöht, zu einer Einigung im Streit um Teherans Atomprogramm zu kommen. Wenn in zehn bis 15 Tagen keine Lösung erreicht sei, passierten "schlimme Dinge". Iran kündigte für den Fall eines Angriffs "entschlossene und angemessene" Gegenmaßnahmen an. Kommentatoren fragen nach möglichen Folgen einer US-Attacke für die Region.

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Financial Times (GB) /

Teheran erhofft sich Vorteile von Waffengang

Der Politologe Vali Nasr analysiert in Financial Times die Ausgangslage:

„In Teheran verfestigt sich zunehmend der Eindruck, dass Iran am Verhandlungstisch nichts erreicht. Stattdessen solle das Land akzeptieren, dass Krieg unvermeidlich sei, sich auf dessen Führung vorbereiten und hoffen, dass der Konflikt letztendlich zu einem von Teheran angestrebten Wandel führt – indem er die USA so weit erschöpft, dass diese von künftigen Aggressionen absehen und einem aus Sicht Irans besseren Atomabkommen zustimmen. ... Die USA erwarten, dass sich das iranische Volk erneut erhebt und seine Machthaber stürzt. Diese wiederum hoffen auf das Gegenteil: Dass der Krieg patriotische Begeisterung entfacht und der Nationalismus die Oberhand gewinnt.“

Corriere della Sera (IT) /

Den Niedergang des Regimes steuern

Es gibt auch aus amerikanischer Sicht verschiedene Punkte, die für einen Angriff sprechen, wirft Corriere della Sera ein und bezieht sich dabei auf eine Analyse von Michael Rozenblat vom US-Thinktank Atlantic Council:

„Die internen systemischen Schwächen des Regimes – Hyperinflation, Wasserknappheit und weit verbreitete Korruption – deuten zusammen mit den jüngsten Protesten auf einen unaufhaltsamen Niedergang hin. Passiv auf den Zusammenbruch zu warten, ist jedoch keine nachhaltige Strategie zur Wahrung der regionalen Interessen Amerikas. Ein aktiver Ansatz, einschließlich militärischer Interventionen, würde es Washington ermöglichen, den Übergang zu steuern, ein günstiges Umfeld nach dem Regime zu gewährleisten und Russland und China die Möglichkeit zu nehmen, ein Machtvakuum in Iran auszunutzen.“

Der Standard (AT) /

Offenbar kein Plan für den Tag danach

Der Standard argumentiert gegen einen US-Angriff auf den Iran:

„Das Mullah-Regime endlich loszuwerden, wäre für die Menschen im Land ein Segen, für viele umliegende Staaten eine Erleichterung und für Israel das Ende einer existenziellen Bedrohung. Doch das alles gilt nur dann, wenn es durch einen schnellen, gezielten Schlag möglich ist, der derzeit aber kaum absehbar scheint. Und dann, wenn es einen tragfähigen Plan für den Tag danach gibt. Wenn ein solcher existiert, ist er derzeit nicht auszumachen. Das muss zu den guten Gegenargumenten für einen Angriff zählen.“

Phileleftheros (CY) /

Ein langer Krieg steht bevor

Die Lage ist sehr ernst, warnt Phileleftheros:

„Wenn es zu einem Angriff kommt, ist sicher, dass er sich nicht auf einen Schlag oder eine Reihe von Schlägen beschränken wird. Experten in Israel schätzen, dass ein möglicher Angriff sogar Wochen dauern könnte, was auch die enorme Anzahl von Streitkräften rechtfertigen würde, die die Amerikaner in der Region zusammengezogen haben. Die Hoffnung, dass sich das iranische Regime besinnt und das Schlimmste vermieden werden kann, ist sowohl in Israel als auch überall sonst groß. Allerdings kann man darauf nur schwer wetten.“