Sterbehilfe bei 25-Jähriger: Was bedeutet Würde?
Die 25-jährige Noelia Castillo ist am Donnerstag in einem katalanischen Hospiz durch eine Spritze gestorben. Schon vor zwei Jahren hatte sie Sterbehilfe beantragt, doch ihr Vater hatte sich auf dem Rechtsweg dagegen gewehrt. Castillo, die vom Staat in Pflegefamilien platziert worden war, hatte nach schweren sexuellen Gewalterfahrungen einen Selbstmordversuch unternommen, war seither querschnittsgelähmt und litt an chronischen Schmerzen.
Ethische Pflicht, ihren Willen zu respektieren
El País sieht im Vorgehen der Vereinigung christlicher Anwälte, die Castillos Vater unterstützte, Manipulation:
„Der öffentliche Aufschrei, den Castillos TV-Statement auslöste, darf nicht vom Kernproblem ablenken: der Instrumentalisierung ihres Leidens durch Abogados Cristianos. Die Verzögerung einer bereits genehmigten Sterbehilfe durch juristische Anfechtungen ist ein Versuch, ein unveräußerliches Recht zu entkräften. Jeder Tag, an dem der Prozess behindert wurde, hat das Leid verlängert, das das Gesetz verhindern will. Noelia Castillos legitime, freie und begründete Entscheidung, die von allen Gerichten bestätigt wurde, zu respektieren, war eine ethische und demokratische Pflicht.“
Der Staat tötet die, die er schützen sollte
Spanien versagt auf ganzer Linie, kritisiert hingegen der Sterbehilfe-Kritiker Laurent Frémont in Le Figaro:
„Eine Gesellschaft, die Gesetze über 'das Recht auf einen würdevollen Tod' verabschiedet, bevor sie das Recht auf ein Leben in Würde garantiert, löst kein ethisches Problem. … Ein dem Staat anvertrautes Kind wurde unter dessen Schutz vergewaltigt. Die Behörden, die es nicht zu verteidigen wussten, haben es allein den Schmerz, die Querschnittslähmung sowie das psychische Leid durchleben lassen, bevor sie ihr nach zwei Jahren Gerichtsverfahren Sterbehilfe gewähren. ... Der Staat hat dabei versagt, es zu schützen und zu heilen, er hat es jedoch geschafft, es zu töten. Und einige wagen es, das Würde zu nennen.“