Iran-Krieg: Können Washington und Teheran sich einigen?
Die US-Regierung hat der iranischen Führung laut Medienberichten einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges unterbreitet. Der Iran lehnte den Vorschlag, der unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus vorsieht, jedoch ab und dementierte, dass Verhandlungen stattfänden. Donald Trump hat nun unter Verweis auf "sehr gute" Gespräche sein bereits einmal verlängertes Ultimatum nochmals aufgeschoben – nun bis zum 6. April.
Sofern die Gespräche nicht ins Leere laufen
Nun hängt viel davon ab, ob die richtigen Ansprechpartner in Teheran gefunden sind, betont Phileleftheros:
„Der Schlüssel liegt in dem Satz, den Trump wiederholt hat: 'Wir sprechen mit den richtigen Leuten.' Dieser Satz ist nicht nur wegen dessen, was er aussagt, von Bedeutung, sondern auch wegen dessen, was er auslässt. Er deutet darauf hin, dass Washington nicht mit dem offiziellen, harten Kern des Regimes spricht, sondern mit Personen, die als Brücke zwischen den verschiedenen Machtzentren in Teheran fungieren können. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob es einen Kanal gibt. Es geht darum, wer ihn bildet und ob diese Personen die Macht haben, ein Abkommen durch das derzeitige iranische System zu bringen.“
Teheran spielt mit Trump Katz und Maus
Iran kann in psychologischer Hinsicht als Sieger aus dem Krieg hervorgehen, meint Der Standard:
„Der Krieg ist in den USA unpopulär, der steigende Spritpreis noch mehr, die Republikaner sind verunsichert und die Demokraten in offener Revolte. Trumps oft wirre Ansagen und sein Schwanken zwischen Friedensangeboten und Drohungen stehen in starkem Kontrast zu einer iranischen Führung, die diplomatisch Katz und Maus mit Washington spielt und genau zu wissen scheint, was sie will: die Erzfeinde USA und Israel zumindest psychologisch in die Schranken zu weisen und so als politischer Sieger aus dem Konflikt herauszugehen. Was einst Nordvietnam und den Taliban gelang, ist auch für den Iran in Sicht.“
Jetzt rächt sich das planlose Angreifen
Iran sitzt am längeren Hebel, befürchtet die Welt:
„Nicht Washington, sondern Teheran kann ohne größere Folgen eskalieren, mal Tanker vor der Straße von Hormus angreifen, mal die Entsalzungsanlagen seiner arabischen Nachbarn zerstören – oder deren Raffinerien dem Erdboden gleichmachen. Die USA mögen Pläne hegen, Irans Öl-Insel Charg zu besetzen. Was es bringen soll, weiß indes niemand. Spätestens jetzt rächt sich, dass Donald Trump keine Strategie für diesen Krieg entworfen hat. ... Es sieht also nicht gut für die Amerikaner und damit den gesamten Westen aus.“
Insel Charg als mögliches Faustpfand
Dserkalo Tyschnja schließt eine begrenzte Bodenoperation nicht aus:
„Es geht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um den Versuch, die Küste der Straße von Hormus unter Kontrolle zu bringen. Das wäre eine zu komplexe und kostspielige Operation, die erhebliche Ressourcen und viel Zeit erfordern würde und dennoch die Sicherheit der Schifffahrt nicht garantieren könnte. ... Das Weiße Haus dürfte vielmehr auf die Einnahme der Insel Charg abzielen, auf der nahezu die gesamte Ölverladekapazität der Islamischen Republik konzentriert ist. Rein militärisch gesehen wäre diese Aufgabe deutlich einfacher. Wenn dem so sein sollte, hofft Washington vermutlich, Teheran aus einer Position der Stärke zu einem Abkommen zu zwingen.“
Die USA in der Zwickmühle
Washington befindet sich in einer schwierigen Lage, analysiert Diário de Notícias:
„Der Iran, der sich seines asymmetrischen Vorteils bewusst ist, fordert hohe Entschädigungen, Garantien, dass er nicht angegriffen wird, und die Erlaubnis, sein 'ziviles' Atomprogramm fortzusetzen. Für Washington wäre die Annahme dieser Bedingungen politisch brisant und strategisch riskant. Sie abzulehnen könnte den Konflikt jedoch an einen Punkt bringen, an dem es kein Zurück mehr gibt. Das Problem für Washington ist, dass der Iran, solange die Pattsituation andauert, weiterhin auf dem einzigen Spielfeld agiert, das er wirklich beherrscht: dem der kalkulierten Unvorhersehbarkeit. Und genau das prägt derzeit die Zukunft der Region und der Weltwirtschaft.“
Der Dealmaker stößt an seine Grenzen
Trump wurde die Tür vor der Nase zugeschlagen, interpretiert La Stampa:
„Es ist eine altbekannte Formel, die 'Trump-Verhandlungsmethode'. Ein umfassendes, ambitioniertes Programm, das den Konflikt einfrieren soll, dabei aber Bedingungen diktiert, die oft weit von der Realität entfernt sind. Und diesmal könnte es scheitern. Aus zwei Gründen. Erstens hat Teheran gelernt, dass jeder Hoffnungsschimmer für Verhandlungen durch eine israelische Militärinitiative, oft unterstützt von Washington, zunichtegemacht werden kann. Zweitens hat sich der Kontext verändert, und die 15 Punkte des Weißen Hauses, eine Neuformulierung der Verhandlungspunkte von Ende Mai, scheinen das gestiegene Gewicht der beteiligten Akteure zu ignorieren. ... Und Teheran schlägt die Tür zu.“
Trump könnte einen Rückzug vorbereiten
Es könnte tatsächlich auf eine baldige Einstellung der Angriffe hinauslaufen, meint Club Z:
„Das derzeit wahrscheinlichste Szenario ist, dass die Angriffe bis zum 14. April eingestellt werden, die USA und der Iran beide einen Sieg verkünden, aber tatsächlich keines der Probleme, wegen denen der Krieg begonnen hat, gelöst wird und de facto alles schnell zum Status quo vor den Angriffen zurückkehrt. Das wäre keine Überraschung. In den vergangenen zwölf Monaten hat Trump mehrfach solche Schritte unternommen, bei denen er eine vermeintlich große Operation startet, sie aber mittendrin stoppt, einen Abschluss verkündet und sich zurückzieht, ohne dass tatsächlich etwas erreicht worden wäre.“
Furcht vor Sabotage durch Israel
Kolumnist Abdülkadir Selvi beleuchtet in Hürriyet die Rolle Israels:
„Können die USA und der Iran eine Einigung erzielen? Ja, das können sie. Doch dem Frieden steht ein sehr ernstes Hindernis im Weg. Und das ist Israel. Egal, mit welcher Seite ich spreche, sie beginnen immer mit den Worten: 'Aber wenn Israel das nicht sabotiert …' Und sie schließen mit: 'Wir sind zuversichtlich. Aber nur, wenn Israel den Prozess nicht sabotiert …' Früher haben die USA Israel Grenzen gesetzt. Jetzt setzt Israel den USA Grenzen. Das muss Trumps 'Großes Amerika!' sein. ... Amerika will ein Abkommen mit dem Iran schließen, hat aber Angst, dass Israel dies sabotieren könnte.“
Scheinverhandlungen führen in die Katastrophe
Journalist Jewgeni Feldman kommentiert in einem von Echo übernommenen Facebook-Beitrag Berichte, wonach die USA die Gespräche vor Ausbruch des Iran-Krieges nur zum Schein geführt haben:
„Wenn sensible und komplexe Verhandlungen mit unlauteren Absichten geführt werden – nicht um einer Einigung willen, sondern um den Gegner abzulenken, zu beruhigen und einen wirksameren Erstschlag zu ermöglichen –, untergräbt dies künftige Verhandlungen. Nicht nur im Rahmen dieses Krieges! Es wird schwieriger werden, die nächsten Atomprogramme der nächsten Schreckensregime zu stoppen, politische Gefangene zu befreien und Kriege zu beenden. Weltweit müssen Staaten ständig Verhandlungen führen. Wenn dies unmöglich wird, ist das eine Gefahr für die Zivilisation.“