Iran-Krieg: Weitere Eskalation oder Gespräche?

Die US-Marine hat ein iranisches Frachtschiff im Golf von Oman angegriffen und geentert. Teheran warf Washington daraufhin einen Bruch der bis Mittwoch geltenden Waffenruhe vor und drohte mit "Vergeltung". Gleichzeitig wollen die USA heute in Islamabad eine neue Runde von Friedensverhandlungen beginnen. Laut staatlicher Nachrichtenagentur Irna schickt der Iran keine Delegation nach Pakistan.

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Kurier (AT) /

Riss im Machtgefüge

Die Fronten innerhalb des iranischen Regimes betrachtet der Kurier:

„Der Iran hat kaum noch Luft, ehe seine Wirtschaft endgültig zusammenbricht. ... Das aber scheinen nur einige politische Führungsfiguren in Teheran zu sehen, während die Revolutionsgarden keinen Millimeter zurückweichen wollen. Der Riss im Machtgefüge im Iran ist also schon erkennbar zwischen jenen, die das Land mit erheblichen, aber noch mühsam zu erringenden Zugeständnissen an die USA aus dem Krieg führen wollen. Und jenen, die den Gottesstaat mit der blinden Wut von religiösem Fanatismus eher der Vernichtung preisgeben als einlenken wollen. Für die kommenden Wochen und Monate wird es von entscheidender Bedeutung sein, welcher der verschiedenen Flügel sich in Teheran durchsetzt.“

Echo (RU) /

Ein einzelner Verräter könnte das Blatt wenden

Der Politologe Wladimir Pastuchow schreibt in einem von Echo übernommenen Telegram-Post:

„Wir alle sind davon abhängig, ob sich in der obersten Führung der Revolutionsgarden ein Verräter findet, der auf die Seite der 'Zivilverwaltung' (wo es, wie in jeder Despotie, genügend Kollaborateure gibt) wechselt und damit die Voraussetzungen für eine sanfte Kapitulation des Iran schafft. Wenn das geschieht, erweist sich Trump als großer Glückspilz – und wir mit ihm. Der Konflikt wird eine Art 'Halblösung' erfahren, und wir werden noch eine Weile in den uns vertrauten Paradigmen einer zerfallenden, aber auf ihre Weise liebenswerten (im Vergleich zu dem, was auf uns zukommt) Weltordnung leben können.“

El País (ES) /

Nicht einmal der Hauch eines Lichtblicks

Kommentator Lluís Bassets zeigt sich in El País resigniert:

„Fragile, vorübergehende und sogar widersprüchliche Waffenruhen statt eines allgemeinen Waffenstillstands und eines Friedens, den die Region verdient. ... Es grenzt an ein Wunder, wenn solche Waffenruhen aufrechterhalten werden. ... Wenn die Waffen zwischen Israel und der Hisbollah nicht wirklich schweigen, werden die Friedensgespräche zwischen Iranern und Amerikanern kaum weiterführen. ... Mit übereilten Verhandlungen sollen ungelöste Streitigkeiten beigelegt werden, die im Iran seit 1979 herrschen und im Libanon seit 1948. ... Trotz der falschen Siegeseuphorie, die Trump an den Tag legt, sieht niemand auch nur den Hauch einer Chance für eine friedliche und einvernehmliche Lösung solch heikler Streitigkeiten.“

Diário de Notícias (PT) /

Rüstungskontrolle kaum möglich

Trotz Sanktionen und Überwachung war dem Iran eine versteckte Aufrüstung gelungen, analysiert Diário de Notícias:

„Der Rauch, der über den Städten und Industriekomplexen des Irans schwebt, sollte eine der größten Illusionen der modernen Geopolitik zerstreuen: nämlich die, dass Wirtschaftssanktionen und die Überwachung durch die IAEO wirksam seien, um die militärischen Ambitionen Teherans einzudämmen. Die Realität beweist das Gegenteil. Während sich die Welt auf die technische Debatte über kleine Mengen angereicherten Urans und das Schicksal des Atomabkommens konzentrierte, vollzog das iranische Regime eine stille, aber tiefgreifende militärische Transformation, deren Ergebnisse inzwischen für alle sichtbar sind.“

Novinky.cz (CZ) /

Die Lage bleibt unsicher

Die Freude über die Öffnung der Straße von Hormus hielt nicht einmal 24 Stunden an, beklagt Novinky.cz:

„Der Optimismus am Morgen wich der harten Realität, als zwei Schiffe – ein Tanker und ein Containerschiff – gerammt wurden. ... Der einzige Vorteil: Der Ölpreis, der am Freitag nach der Ankündigung der Öffnung der Straße gefallen war, konnte nicht steigen, da am Wochenende kein Öl gehandelt wird. ... Eines sollten wir alle daraus lernen: Der Umgang mit dem Iran wird nicht einfach. Alles andere wäre naiv. Und selbst wenn es einfach wäre, ist es immer besser, positiv überrascht zu werden, als einer Situation gegenüberzustehen, auf die man nicht vorbereitet ist. Natürlich beantwortet das nicht die entscheidende Frage: Soll man jetzt tanken oder erst in einer Woche?“