Norwegens Wikinger-Ästhetik bei WM – ein Fauxpas?

Norwegens Fußballteam hat sich auf einem Foto vor der Abreise zur WM als Wikinger verkleidet präsentiert. Die Fans übernahmen die Symbolik prompt und rudern nun im Stadion im Gleichtakt in einem imaginären Wikinger-Schiff, während sie dabei Ro! (Rudern!) rufen. Nach dem Sieg gegen Senegal am Montag feierte auch das Team rund um Starstürmer Erling Haaland in rudernder Weise. Skandinaviens Presse beobachtet das Spektakel zwiegespalten.

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Dagens Nyheter (SE) /

Peinlicher geht's kaum

Der Autor Alex Schulman empfindet in Dagens Nyheter starke Fremdscham:

„Entschuldigung, aber hätte ich mit ansehen müssen, wie [die schwedischen Spieler] Alexander Isak und Viktor Gyökeres sich auf ähnliche Wikinger-Albernheiten einlassen, wäre ich vor Scham gestorben. Doch die Norweger scheinen ganz begeistert zu sein, denn jetzt machen sie mit: Von den Tribünen ertönt nun ein wahnsinniger Sprechchor, bei dem alle plötzlich Galeerensklaven spielen und 'RO! RO!' schreien. ... Das Publikum besteht also auch aus Wikingern! Ich sehe die Bilder und kann es fast nicht glauben. Sie beugen sich gemeinsam nach vorne, als hätten sie ein großes Ruder ergriffen, und die ganze Zeit schreien sie einander zu: 'RO! RO! RO!' Was ist denn in Norwegen los? Wie konnte das nur so schiefgehen?“

Berlingske (DK) /

Nordische Symbolik ist unverdächtig

Berlingske warnt vor schnellen Vorverurteilungen:

„Es handelt sich um eine beliebte Kampagne, die sowohl das norwegische Kulturerbe thematisiert als auch das Selbstverständnis der breiten norwegischen Bevölkerung hinsichtlich des einzigartigen nationalen Erbes des Landes stärkt. Doch mit pawlowscher Reflexhaftigkeit ist die norwegische Linke schockiert. Die Darstellung der Nationalmannschaft als ein Volk stolzer Wikinger ist ihrer Meinung nach ein Ausdruck von Nazismus, Faschismus und Nationalismus – ja sogar ein erschreckender Ausdruck von 'Hypermaskulinität'. Dass die Nationalsozialisten nordische Symbolik für ihre verkommene Ideologie missbrauchten, kann nicht einer Kultur angelastet werden, die bereits fast tausend Jahre vor dem Nationalsozialismus untergegangen war.“