Feierliches Begräbnis für Kriegsverbrecher Mladić

Der am 27. August in Haft in Den Haag verstorbene Ex-General Ratko Mladić ist in Serbien mit einem feierlichen Begräbnis geehrt worden. Die EU kritisierte die Feierlichkeiten als "Verherrlichung von Kriegsverbrechern". Unter seinem Kommando waren 1995 in Srebrenica 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet worden. Kommentatoren blicken kritisch auf den Umgang des EU-Beitrittskandidaten Serbien mit seiner Vergangenheit.

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Neue Zürcher Zeitung (CH) /

Zu diesem Serbien sollte die EU Distanz halten

Nationalismus und Verklärung dominieren, aber es gibt auch ein anderes Serbien, schreibt der Balkanforscher Alexander Rhotert in der Neuen Zürcher Zeitung:

„Dass es serbische Politiker gab und gibt, die an friedliche Koexistenz und gewaltfreie Konfliktbewältigung glauben, hat die Zeit nach dem Abgang Miloševićs von 2000 bis zur Machtübernahme 2012 durch Vučićs Serbische Fortschrittspartei (SNS) gezeigt. Damals gab es in Serbien eine Liberalisierung und Demokratisierung von Staat und Gesellschaft, aber die nationalistischen Kräfte gaben nicht klein bei. ... Serbiens Regierung unter Vučić setzt sich heute grösstenteils aus alten Milošević-Kadern sowie nationalistischen Hardlinern zusammen. Die EU wäre gut beraten, Distanz zu markieren. Die tapferen Serben, die seit Jahren gegen die kontrollierte Demokratie von Miloševićs Ziehsohn demonstrieren, verdienen Europas Solidarität.“

The Times (GB) /

Der schleichende Tod des Völkerrechts

Dass sich die Empörung über die ehrenhafte Beisetzung Mladić international in Grenzen hält, erklärt The Times so:

„Die Zeit hat die Verbrechen des Generals verblassen lassen. 31 Jahre sind vergangen, seit Mladić Truppen in Srebrenica Tausende Muslime ermordeten. Die Glaubwürdigkeit der internationalen Justizinstitutionen, die dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien folgten, wird überall angegriffen, angeprangert und verhöhnt – nicht zuletzt von den USA.“