Drohnenangriffe auf Frachter im Schwarzen Meer
Mindestens sieben Handelsschiffe sollen in den vergangenen Tagen im Schwarzen Meer vor den Küsten Rumäniens und Bulgariens von Drohnen angegriffen worden sein. Wer dahintersteckt, ist bislang unklar. Die Vorfälle schüren Sorgen vor einer weiteren Eskalation und gefährden wichtige Handelsrouten. Europas Presse diskutiert mögliche Verantwortliche und die Folgen für die Sicherheit und den Welthandel.
Waffenruhe für Getreidetransfer im Interesse aller
Die Süddeutsche Zeitung weist darauf hin, dass unter der Eskalation bald noch viele Länder leiden könnten:
„Wird das Schwarze Meer zum Hochrisikogebiet, steigen zwangsläufig die Preise für Transport und Versicherung – und damit für das Getreide selber. Russland und die Ukraine gehören zu den größten Lieferanten der Welt. Anders als zu Beginn des Krieges, als nur Russland der Ukraine mit der Blockade und dem Beschuss von Häfen zusetzte, ist die Ukraine nun in der Lage, sich zu wehren und den russischen Export zu treffen. Um die weltweite Hungersnot nicht zu verschärfen, braucht es also dringend eine Waffenruhe für Getreidelieferungen. Sie ist im Interesse aller.“
Das Herumdrucksen muss aufhören
Die jüngsten Drohnenangriffe zeigen, wie unmittelbar der russisch-ukrainische Krieg inzwischen auch an Bulgarien gerückt ist, schreibt Webcafé:
„Die Lage ist so ernst, dass sich die Regierung diesmal gezwungen sah, die russische Botschafterin zu einem Gespräch vorzuladen, obwohl Premierminister Radew nachdrücklich betonte, dass derzeit keine eindeutigen Beweise vorlägen, um gegen eine der beiden Seiten Anklage zu erheben. ... Die Einberufung der russischen Botschafterin Mitrofanowa ist ein guter Anfang, aber es darf auf keinen Fall dabei bleiben. Im Gegenteil: Das Herumdrucksen muss aufhören, es muss klar gemacht werden, dass ein solches Verhalten seitens Russlands inakzeptabel ist und Konsequenzen nach sich ziehen wird.“
Ein neuer Kriegsschauplatz?
El Periódico de Catalunya verdächtigt Russland:
„In den vergangenen Tagen wurden mindestens sieben Handelsschiffe im Schwarzen Meer vor den Küsten Rumäniens und Bulgariens mit Drohnen angegriffen. ... Sind das russische Angriffe? Droht uns ein potenzieller Krieg, auf den Europa kaum oder gar nicht reagiert? ... Das wirft eine heikle Frage auf: Kann Artikel 5 des Nato-Vertrags zur kollektiven Verteidigung auch bei Angriffen in den Wirtschaftszonen von Partnerstaaten angewendet werden, selbst wenn diese Zonen nicht zu deren Hoheitsgewässern gehören? ... Die Kernfrage ist, ob die Angriffe auf die Handelsschifffahrt im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg stehen oder ob es eine gezielte Eskalation ist, um die Reaktionsfähigkeit der Nato zu testen. Bislang gibt es keine eindeutigen Beweise.“
Beweise abwarten
Es gibt noch keine eindeutigen Beweise, von wem die Drohnenangriffe kommen, schreibt die regierungsnahe Trud und fordert Geduld:
„Die bulgarischen Politiker haben gute Gründe, sich mit Einschätzungen und Anschuldigungen gegenüber Russland oder der Ukraine zurückzuhalten, bevor die Ergebnisse der Untersuchungen zur Herkunft der Drohnen bekannt gegeben werden. Es ist wichtig, eine klare Unterscheidung zu treffen zwischen den nachgewiesenen Fakten und der hysterischen antirussischen Propaganda, die in unseren Medien verbreitet wird. ... Premierminister Rumen Radew vorzuwerfen, er habe Russland nicht als Aggressor bezeichnet, obwohl klar sei, dass die Drohnen russisch seien, ist eine ziemlich dumme Haltung und läuft darauf hinaus, Radew vorzuwerfen, er verhalte sich nicht wie ein Propagandist aus der Zeit des Sozialismus.“