In Bulgarien zahlt man nun mit dem Euro
Bulgarien hat zum Jahresbeginn als 21. Staat Europas den Euro eingeführt. Obwohl die lange und heftig umstrittene Währungsumstellung nach dem jüngsten Rücktritt der Regierung mitten in einer politischen Krise erfolgt, zeigt sich Europas Presse optimistisch.
Aufholjagd braucht Reformen
Bulgarien tritt in eine neue Phase seiner Entwicklung ein, schreibt Dnevnik hoffnungsfroh:
„Die Bankenpleiten und die Hyperinflation der Jahre 1996 und 1997 haben die Ersparnisse der Bulgaren zunichte und uns zum wirtschaftlichen Schlusslicht Europas gemacht. ... Heute stehen wir kurz davor, die mittel- und osteuropäischen Länder einzuholen. ... Nachdem sich die Emotionen rund um die Einführung des Euro gelegt haben, ist es an der Zeit, einen Blick auf die langfristigen Ziele und Herausforderungen des Landes zu werfen. Bulgarien braucht mehr wirtschaftliche Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und einen kleinen, aber effizienten und rechenschaftspflichtigen Staat. Dies würde es dem Land ermöglichen, innerhalb der Eurozone erfolgreich zu sein.“
Gemeinschaftswährung verlangt Kooperation
Die taz sieht einen wichtigen Sieg für die Pro-Europäer im Land:
„Die prorussischen Kräfte haben verloren, denn die Bulgaren können den Euro nicht wieder verlassen und sich dem Kreml annähern. ... Die Eurozone verlangt Kooperation, was niemand besser weiß als Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Sie ist Nationalistin, verhält sich in der EU aber konziliant – weil sie nicht erleben möchte, dass die 'Risikoaufschläge' und damit die Zinsen für italienische Staatsanleihen nach oben schießen. ... Die Gemeinschaftswährung ist keine Drehtür in einem Kaufhaus, das man betreten und wieder verlassen kann. Wer drin ist, ist drin. Genau deswegen haben sich die Bulgaren für den Euro entschieden.“
Ungarn sollte nachziehen
Das Festhalten am Forint bringt immer weniger Vorteile, meint hvg:
„Unter den derzeitigen Umständen scheint es keine besonderen Vorteile zu haben, eine eigene Währung und eine eigenständige Geldpolitik aufrechtzuerhalten. Übrigens kommen auch von Seiten der Regierungspartei Fidesz keine Fachargumente gegen den Beitritt zur Eurozone. Der Wunsch nach 'Souveränität' und das Gerede vom 'Niedergang der EU' können nicht als solche betrachtet werden. ... Nach dem EU-Beitritt und sogar noch in den 2010er Jahren konnte man begründet damit argumentieren, dass die Beibehaltung einer eigenständigen Geldpolitik den neuen Mitgliedstaaten beim Aufholen helfen würde. ... Heute jedoch haben sich – insbesondere im Falle Ungarns – die realistischen Möglichkeiten einer eigenständigen Geldpolitik drastisch verringert.“