Öl-Blockade: Zwingt Trump nun Kuba in die Knie?

Es gibt nur noch selten Strom, die Wirtschaft und der Verkehr erlahmen: Kuba erlebt eine drastische Energiekrise, seitdem Donald Trump Öllieferungen aus Venezuela auf die Karibikinsel unterbunden hat. Potenziellen anderen Lieferanten wie Mexiko droht er mit Strafzöllen. Washington will die sozialistische Regierung in Havanna so zu Zugeständnissen bewegen. Europas Medien beleuchten die Lage.

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LB.ua (UA) /

Das Venezuela-Modell funktioniert hier nicht

LB.ua analysiert, wie die USA gegenüber dem Regime in Havanna vorgehen könnten:

„Die endgültigen Pläne Washingtons bleiben unklar. Möglicherweise rechnet die US-Regierung damit, dass die Führung der Insel im Fall einer totalen [Öl-]Blockade früher oder später zu einem Abkommen gezwungen wäre und einer schrittweisen Demokratisierung des Landes zustimmen könnte. Zugleich ist es unwahrscheinlich, dass Washington in nächster Zeit eine Militäroperation wagen würde, wie es bei Venezuela der Fall war. Beim kubanischen Regime handelt es sich um die Diktatur einer Partei und nicht um die persönliche Herrschaft eines einzelnen Führers. Daher hätte eine Entführung des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel nicht denselben Effekt wie die Überstellung von Nicolás Maduro vor ein New Yorker Gericht.“

Radio Kommersant FM (RU) /

Der Kreml will es sich mit Washington nicht verderben

Radio Kommersant FM hält es für unwahrscheinlich, dass Moskau seinem alten Alliierten beistehen wird:

„Erstens ist es absolut unlogisch, sich mit Trump zu streiten. Er mag zwar nicht ganz auf unserer Seite stehen, aber er bietet weiterhin gewisse Perspektiven. Obwohl diese Frage natürlich umstritten ist. Zweitens ist die westliche Hemisphäre offiziell als Zone nationaler Interessen der Vereinigten Staaten anerkannt. Das heißt, es wäre ein doppelter und dreifacher Streit mit Trump. Drittens: Wozu? Die Zeiten haben sich geändert. Der 'feurige' Comandante Fidel Castro ist nicht mehr da, Ernesto Che Guevara auch nicht. Revolutionsromantik ist zwar noch in Mode, aber inwieweit dies unser heutiger Weg ist, ist mehr als fraglich.“

L'Humanité (FR) /

Europa muss dagegenhalten

Zu verteidigen ist nicht allein Kuba, betont Cathy dos Santos, Chefredakteurin von L’Humanité:

„Dieser Zermürbungskrieg ist nicht nur ein Affront gegen die Kubaner. Die rückwirkenden und exterritorialen Sanktionen, die ausländische Investoren von Geschäften mit Havanna abschrecken sollen, sind gesetzwidrig. Frankreich und die EU, deren Unternehmen oft exorbitante Strafen zahlen mussten, verfügen über Instrumente wie das Anti-Coercion Instrument, um Angriffe aus dem Oval Office abzuwehren. Es geht um die Achtung der Souveränität des kubanischen Volks und darüber hinaus um das Recht der Nationen, frei über ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Dies bekräftigen auch die Mehrheitsbeschlüsse der Uno, die Jahr für Jahr die Aufhebung dieser kriminellen Blockade fordern.“