Iran-Krieg: Russland gestärkt oder geschwächt?

Der Krieg am Golf wirkt sich auch auf Russland aus: Einerseits ist Teheran ein Verbündeter Moskaus, der Russland vor allem zu Beginn des Ukrainekriegs mit Drohnentechnologie ausstattete. Andererseits könnten die sich nun abzeichnenden Engpässe bei Öl und Gas auf dem Weltmarkt Russland eine Chance bieten, mit seinen durch Sanktionen eingeschränkten Energie-Exporten wieder besser zu verdienen. Die Medien wägen ab.

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Corriere della Sera (IT) /

Des Kremls goldene Gelegenheit

Russland wittert eine Chance, westliche Sanktionen und Importsperren gegen seine Energieträger auszuhebeln, so Corriere della Sera:

„Putin sieht den Golfkrieg als goldene Gelegenheit, sich als Retter der internationalen Märkte zu inszenieren. Die auch an die Vereinigten Staaten gerichtete Botschaft des Kremls ist eindeutig: Lasst uns unsere Kohlenwasserstoffe verkaufen, um den Anstieg der Weltmarktpreise einzudämmen, damit ihr eure Wähler im Westen vor der Inflation bewahrt. Kirill Dmitriev, der Sondergesandte des Diktators, brachte dies gestern in einem Beitrag auf X direkt zum Ausdruck: 'Es ist an der Zeit, langfristige Verträge für russisches Flüssigerdgas abzuschließen, um eine diversifizierte und ausgewogene Versorgungsbasis aufzubauen', schrieb er.“

NV (UA) /

Öl wird teurer und Luftabwehr Mangelware

Negative Folgen für die Ukraine sieht Blogger Serhij Fursa in einem von NV übernommenen Facebook-Post:

„Diese Attacke – ob sie sich zu einem umfassenden Krieg ausweitet oder begrenzt bleibt – trägt zu einem Anstieg der Ölpreise bei. Und das bedeutet steigende Einnahmen für Russland. … Außerdem: Der Iran schlägt zurück. ... Ja, seine Mittel sind begrenzt. Doch er verschießt eine bestimmte Menge an Marschflugkörpern und ballistischen Raketen um sich herum – in Richtung Israel, der Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabiens und der anderen US-Verbündeten in der Region. Diese Raketen müssen abgefangen werden. Und sie werden abgefangen. Die Scheichs verfügen dort über ausreichend Patriot-Systeme. Doch der Abschuss dieser Raketen zehrt die Bestände an Abfangraketen auf, die die Ukraine dringend benötigt.“

Spotmedia (RO) /

Putin verliert an Einfluss

Für den Kreml ist der verheerende Angriff auf den Iran ein schwerer Schlag ins Kontor, meint hingegen Spotmedia:

„Die Beseitigung eines kriminellen diktatorischen Regimes durch die USA und Israel, das seine eigenen Bürger in den vergangenen fünf Jahrzehnten gefoltert und getötet hat, ist ein starkes Signal an Wladimir Putin und an seinen Einflusskreis. Sie spüren, dass ihre Macht erheblich geschwächt ist. Unabhängig davon, welche propagandistischen Manöver das Kreml-Regime lostreten wird, für alle ist ziemlich klar, dass der russische Präsident keine große Rolle mehr spielt.“