Was tun gegen Männergewalt?

Mehrere tausend Menschen – statt der angemeldeten 500 – haben am Sonntag in Berlin gegen virtuelle und tätliche Gewalt gegen Frauen demonstriert. Sie folgten einem Aufruf der Schauspielerin Collien Fernandes, die im Spiegel ihrem Ex-Mann vorgeworfen hat, sie mit Fake-Profilen und gefälschten Pornos erniedrigt zu haben. In Spanien hat am Wochenende ein brutaler Femizid die Öffentlichkeit erschüttert.

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Frankfurter Rundschau (DE) /

Das deutsche Recht hinkt hinterher

Für die Frankfurter Rundschau zeigt die Debatte, dass sexualisierte Gewalt immer noch verharmlost wird:

„Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigt nun an, endlich härter gegen digitale Gewalt vorgehen zu wollen. Ein Gesetz ist geplant, es soll Strafbarkeitslücken schließen. Doch es kommt zu spät. Pornografische Deepfakes und Videos, die sexuelle Gewalt darstellen, kursieren seit Jahren im Netz. Und wieder einmal hinkt das deutsche Recht hinterher. Die Gesellschaft hat Räume zugelassen, in denen sexualisierte Gewalt sich ungestört ausbreiten kann.“

Kurier (AT) /

Hässliche maskuline Fratze

Der Kurier erschaudert angesichts des Machtrauschs vieler Männer:

„Es sind beschämende Tage für die Männer. Von den Medien und der Politik bis in die Kulturbranche, vom Sport bis zum Weltkriegstreiber und den Epstein-Akten: Die Nachrichten sind voll von Männern im Machtrausch, die diese Macht auf höchst unterschiedliche, oft auch auf nicht strafrechtlich relevante, aber immer auf ihre Art widerliche Weise missbrauchen. Das ist ein verheerendes Armutszeugnis. Aber erschreckenderweise nur ein Teil der Geschichte. Im Internet erhebt sich gerade eine derart hässliche Fratze der Männlichkeit, dass einem schaudert. ... Klar, es sind bei Weitem nicht alle Männer so. Aber viel, viel zu viele.“

Aargauer Zeitung (CH) /

Gute Vorbilder gesucht

Nadja Zeindler, Redakteurin der Aargauer Zeitung, appelliert an die "anständigen" Männer:

„Was also tun [als Frau]? Single bleiben und mit ein paar Katzen, Hunden oder Lamas ein friedliches Leben in den eigenen vier Wänden führen? Klingt nicht schlecht. Doch als Mama eines Sohnes, der irgendwann zum Teenager mutiert und dann ein erwachsener Mann wird, ist mir das nicht genug. Klar kann man Kindern vorleben, wie man anständig miteinander umgeht, und versuchen, sie so lange wie möglich von der mit 'Alpha-Männern' überfluteten Social-Media-Welt fernzuhalten. Doch auch dann gibt es noch genug andere, die sie damit infizieren können. Und ist dieser Mist erst einmal drin, rennt man als Frau schnell gegen eine Wand. Darum, liebe anständige Männer da draussen: Macht den Mund auf. Seid nicht nur da, seid laut, seid sichtbar!“

eldiario.es (ES) /

Die Wiederholung der Fälle stumpft uns ab

In Saragossa ist eine Frau am Samstag auf offener Straße von ihrem Ex-Partner umgebracht worden. Er beging danach Suizid. Kolumnistin Lucía Taboada zeigt sich in eldiario.es entmutigt und angewidert:

„Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. Sie ist so fest in der Alltagsarchitektur verankert wie eine Laterne. … Ihre Besonderheit wird verharmlost; sie wird als 'private Tragödie' abgetan, oder es heißt, der Mann habe 'eine schwere Zeit durchgemacht'. … Die Abstumpfung gegenüber dem systematischen Mord an Frauen durch ihre Partner und Ex-Partner ist entmutigend und widerlich. … Die größte Bedrohung für viele Frauen bleibt der Mann, mit dem sie ihr Leben teilen oder geteilt haben.“