Nimmt Rheinmetall-Chef ukrainische Rüstung nicht ernst?

Der Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, hat mit Bemerkungen über die ukrainische Drohnenproduktion Empörung ausgelöst. Wenn "Hausfrauen" Bauteile mit 3D-Druckern herstellten, sei das wie ein "Spielen mit Lego-Steinen". Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Äußerungen als "befremdlich".

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Olexandr Jakowenko (UA) /

Wenn Meister vergangener Zeiten von Innovation reden

Olexandr Jakowenko, Gründer des Rüstungsunternehmens TAF Industries, wendet sich auf Facebook an den Rheinmetall-Chef:

„Veraltete europäische Plattformen verlieren an Relevanz, wenn nicht genau die Technologien integriert werden, über die Sie sich lustig machen. ... Wenn Sie also sagen: 'Das ist keine Innovation', höre ich etwas anderes: 'Wir wollen nicht zugeben, dass die Zukunft in ukrainischen Werkstätten geschrieben wird und nicht in Düsseldorfer Büros.' Das Hashtag MadeByHousewives ist nicht ohne Grund im Trend. Denn diese 'Hausfrauen' zerstören jeden Monat mehr feindliches Kriegsgerät als ganze europäische Armeen in kompletten Feldzügen. Und das, während Ihre Branche weiterhin Lösungen des 20. Jahrhunderts zu Preisen des 21. Jahrhunderts verkauft.“

Ukrajinska Prawda (UA) /

Rivalitäten fehl am Platz

Europäische Waffenkonzerne und ukrainische Unternehmen sollten besser kooperieren, als sich zu streiten, meint Line Rindvig vom Start-up-Accelerator Defence Builder in Ukrajinska Prawda:

„Europa, investiert weiterhin Milliarden in Systeme, die nie unter realen Bedingungen elektronischer Kampfführung erprobt wurden – bei GPS-Störungen, Signalspoofing und wöchentlichen Anpassungen von Gegenmaßnahmen. Ohne die Einbindung ukrainischer Erfahrungen und Innovationsansätze riskiert Europa, ein Arsenal aufzubauen, das einer ersten Begegnung mit moderner Kriegsführung nicht standhält. Die Ukraine vereint Innovation, Tempo und Kampferfahrung. Rheinmetall verfügt über Größe, Kapital und industrielle Stärke. Diese Branche ist nicht auf Konkurrenz angelegt, sondern auf gegenseitige Ergänzung.“

Die Zeit (DE) /

Ukrainer kennen das moderne Schlachtfeld

Für Die Zeit hat der Manager einen überholten Blick auf die Entwicklungen seiner Branche:

„Tatsächlich fertigten zu Beginn des Krieges Privatpersonen mit 3D-Druckern Teile, die dann in Start-ups montiert wurden. Doch aus dieser Improvisationskunst entstand eine Industrie, die heute weltweit zu den besten zählt. Ukrainische Experten unterstützen nun die Golfstaaten und die USA dabei, iranische Drohnen abzuwehren. Ukrainische Soldaten werden bald Bundeswehrleute darin ausbilden, wie sie auf den gewissermaßen gläsernen Schlachtfeldern von heute überleben. Drohnen sehen dort alles, können alles angreifen. In der Ukraine ist diese unschöne Zukunft schon zu besichtigen: Soldatinnen und Soldaten dort kennen diese Technik aus eigenem Erleben, so wie viele Hausfrauen.“

Der Spiegel (DE) /

Scharfe Waffen statt scharfer Worte, bitte!

Vielleicht wird der Rheinmetall-Chef ungern auf eigene Schwächen hingewiesen, spottet Der Spiegel:

„Pappergers Spitzen dürften auch damit zu tun haben, dass ukrainische Rüstungsproduzenten Qualitäten aufweisen, die bei der hiesigen Konkurrenz unterentwickelt sind. Die Ukraine stellt jährlich mehrere Millionen Drohnen her, Weltrekord. Deutsche Hersteller haben die Entwicklung verschlafen und Probleme, die Produktion dieser und anderer Waffen so rasch auszuweiten, wie es die Bundeswehr gern hätte. ... 'Wir sollten heute nicht mit Rhetorik konkurrieren, sondern mit Technologie und Resultaten', so hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Pappergers Aussagen zutreffend eingeordnet. Dem ist nichts hinzuzufügen.“