Können Gespräche zwischen USA und Iran gelingen?

Einen Tag vor dem Beginn direkter Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Islamabad werfen beide Seiten sich gegenseitig vor, die Waffenruhe nicht einzuhalten. Israel verstärkt seine Angriffe im Libanon, Teheran sieht dies als Bruch der Vereinbarung. Die Öffnung der Straße von Hormus – Forderung der USA an den Iran – bleibt weiter unsicher.

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The Economist (GB) /

Einigkeit ist nicht in Sicht

The Economist macht sich keine großen Hoffnungen, dass die Waffenruhe hält:

„Der Frieden ist äußerst fragil. Die USA und der Iran sind sich uneinig, ob er auch den Libanon umfasst, der von Israel so heftig angegriffen wird, dass die Gefährdung der Waffenruhe beinahe gewollt wirkt. Ebenso strittig ist, auf welche Weise der Iran die Straße von Hormus freigeben soll – eine amerikanische Vorbedingung für Gespräche. Und die Positionen liegen so weit auseinander, dass man sich nicht einmal darauf einigen kann, welchen Plan man am Wochenende in Islamabad überhaupt verhandeln will. Der überzeugendste Grund zur Hoffnung, dass Trump nicht in den Krieg zurückkehren wird, ist wohl, dass er inzwischen erkannt hat, dass er ihn gar nicht erst hätte beginnen sollen.“

Libération (FR) /

In der Straße von Hormus liegt der Schlüssel

Libération blickt den Verhandlungen in Islamabad und der zentralen Frage nach der Freigabe der Straße von Hormus besorgt entgegen:

„Für Teheran ist sie der Trumpf, der ihm erlauben kann, die Anfang der Woche geschlossene Waffenruhe zu festigen. ... Geklärt werden muss auch die Frage des Libanon, wo Israel seine Bombardierungen am Mittwoch verstärkt hat. Und worauf die Islamische Republik zu verstehen gegeben hat, dass sie die Hisbollah nicht im Stich lässt. ... Die Straße von Hormus ist sowohl das Nadelöhr als auch der Schlüssel zur Lösung des Konflikts: Die Folgen ihrer Blockade sind so gravierend und beziehen so viele Akteure ein, dass sie Donald Trump zu einem Mittel zwingen, dem er nicht sehr zugeneigt ist: Diplomatie.“

Handelsblatt (DE) /

Europa wird gebraucht

Auch Europa muss sich im Persischen Golf engagieren, fordert das Handelsblatt:

„[E]ine Marinemission im Rahmen der Nato ist dafür das beste Konzept. Es geht nicht darum, sich Trump zu beugen oder das Ego des amerikanischen Präsidenten zu streicheln. Es geht darum, eigene europäische Interessen zu verteidigen. Solange sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nicht normalisiert, wird sich Europas Wirtschaft nicht vom Iranschock erholen. Noch ist unklar, ob der Waffenstillstand hält. Und niemand weiß, ob es gelingt, einen stabilen Frieden auszuhandeln. Doch das kann keine Ausrede für die Europäer sein, in der Zuschauerrolle zu verharren.“

Avvenire (IT) /

Es gibt nur Verlierer

Dass sich nun sowohl die USA als auch der Iran als Gewinner darstellen, findet Avvenire entlarvend:

„Denn es ist völlig klar, dass in diesem Konflikt alle ohne Unterschied besiegt wurden. Das iranische Regime macht sich etwas vor und glaubt, es habe gesiegt, nur weil es nicht vollständig gestürzt wurde: ein schwacher Trost für ein Machtsystem, das von einem Großteil der Bevölkerung verachtet wird, durch die Ermordung vieler seiner Anführer noch gewalttätiger und brutaler geworden ist und inmitten der Trümmer regiert. Doch auch Präsident Trump ist besiegt. Er wirkt realitätsfern, verloren in seinem übersteigerten Ego und mit rapide sinkender Zustimmung im Inland.“

Politiken (DK) /

Allesamt Kriminelle

Aus seiner Verachtung für die Machthaber der USA, Israels und des Iran macht Politiken kein Hehl:

„Nun sollten Frieden und Diplomatie eine Chance erhalten. Die Dynamik des Kriegs hat den Nahen Osten an den Rand des Zusammenbruchs gebracht und droht, die ganze Welt in eine Krise zu stürzen. Doch die Konflikte in der Region lassen sich nicht militärisch lösen, wie die letzten Wochen einmal mehr gezeigt haben. Die Machthaber der USA, Israels und des Iran sind allesamt Kriminelle. Trump wurde in den USA verurteilt, Netanjahu werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, und der iranische Präsident hat Terrorismus unterstützt und gefördert. Doch selbst sie sollten nach der jüngsten Zerstörungswelle erkennen, dass weiterer Krieg nur zu Chaos führt.“

Kirill Rogov (RU) /

Jede Seite hat ihre eigene Version

Eine gemeinsame Basis vermisst Politologe Kirill Rogow in einem Post auf Facebook:

„Derzeit sieht es so aus, als hätten die drei Beteiligten - die USA, der Iran und Israel - jeweils ihren eigenen Waffenstillstand geschlossen, dessen Bedingungen und Verpflichtungen den anderen nicht vollständig bekannt sind und sich zudem voneinander unterscheiden. Im Grunde existiert er in schriftlicher Form gar nicht und ist lediglich ein rhetorisches Konstrukt, das das Ausbleiben des zuvor von Trump versprochenen vernichtenden Schlags gegen den Iran erklärt.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Jetzt baut der Iran die Atombombe erst recht

Für Verhandlungen befindet sich Teheran in einer guten Position, meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Gerade Trumps verbliebene Anhänger würden ihn kaum dafür feiern, nach vierzehn Tagen Waffenruhe wieder einen Krieg aufleben zu lassen, den sie nie wollten. Die Mullahs dagegen können jetzt den Iranern sagen, sie hätten mit ihrer Verhandlungsbereitschaft die Vernichtung ihrer Zivilisation verhindert. Trump lieferte mit seiner apokalyptischen Drohung dem Regime auch noch das beste Argument, warum eine nukleare Bewaffnung notwendig sei. Es würde sehr verwundern, wenn die Mullahs nach diesem Krieg den Versuch aufgäben, an die Atombombe zu kommen.“

The Economist (GB) /

Vertrauensverlust für Golfstaaten ist unumkehrbar

Für die Golfstaaten hat dieser Krieg sämtliche Gewissheiten erschüttert, glaubt The Economist:

„Sie zählen zu den größten Verlierern. Die wirtschaftlichen Kosten des Kriegs belaufen sich auf mehrere zehn Milliarden Dollar: entgangene Öl- und Gaseinnahmen, Schäden an kritischer Infrastruktur, die Kosten für Luftabwehrraketen. Der Imageschaden dürfte noch größer sein. ... Vor dem Krieg hatte die Region jahrzehntelang relativen Frieden genossen. Sie sah sich als Handelsdrehscheibe, die von den vielen Konflikten im Nahen Osten verschont blieb. Die USA würden für Sicherheit sorgen, während man zugleich engere Beziehungen zu Russland und China anstrebte; für manche bot auch die Annäherung an Israel die Aussicht auf einen verlässlichen Verbündeten gegen den Rivalen in Teheran. Der Krieg hat diese Annahmen auf einen Schlag zunichtegemacht.“

Salzburger Nachrichten (AT) /

Warum in Pakistan verhandelt wird

Dass ausgerechnet Pakistan dieser überraschende Durchbruch gelungen ist, hat gute Gründe, erläutern die Salzburger Nachrichten:

„Das Land mit 250 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern pflegt seine guten Beziehungen zum schiitischen Nachbarn Iran. ... Mit Saudi-Arabien, dem großen sunnitischen Konkurrenten des Iran im Nahen Osten, hat die Atommacht Pakistan 2025 ein Verteidigungsbündnis geschlossen. Und: China betreibt seit 2013 den pakistanischen Tiefwasserhafen Gwadar und sieht das Land als Hauptverbündeten im Vorderen Orient. Sollte es dem pakistanischen Premier gelingen, mehr als einen kurzfristigen Waffenstillstand zu erreichen, kann er sich dabei also auf die massive Unterstützung in der Region verlassen.“