Nordirland: Krawalle nach Messerangriff

In Nordirland ist es den zweiten Abend in Folge zu heftigen Ausschreitungen gekommen, nachdem ein Video über einen Messerangriff in Belfast verbreitet worden war. Etliche Menschen protestierten gegen Einwanderung, randalierten und legten Feuer. Bei der gefilmten Attacke vom Montag war ein Mann schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei ist der mutmaßliche Täter ein 30-jähriger Sudanese.

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The Guardian (GB) /

Digitale Sabotage bedroht Demokratie

Ein entschlossenes Vorgehen gegen gewaltbereite Strömungen fordert The Guardian:

„Premierminister Starmer richtet halbherzige Warnungen an die Social-Media-Unternehmen, mit der Bitte, sich verantwortungsbewusst zu verhalten. Er verurteilt rassistische Gewalt und ruft zur Ruhe auf den Straßen auf. Doch den eigentlichen Mechanismus – die ideologische Vereinnahmung digitaler Informationsräume – geht er nicht an, obwohl diese den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergräbt und die Demokratie systematisch sabotiert. Eine ansteckende, gewaltbereite Strömung extrem rechter Politik ist im Internet alltäglich geworden und breitet sich nun auf den Straßen aus. Sie muss an beiden Fronten gleichermaßen bekämpft werden.“

eldiario.es (ES) /

Social Media wirkt als Brandbeschleuniger

Eldiario.es kritisiert die Rolle der Social-Media-Plattform X:

„Diese Woche nutzte Elon Musk, Eigentümer von X, wieder sein Netzwerk, um zu Gewalt aufzurufen. ... Musks Aufrufe und der manipulative Einsatz seines Netzwerks sind so eindeutig, dass ihre schädlichen Auswirkungen unbestreitbar sind. ... Die Regulierung transnationaler Konzerne ist stets komplex, doch in diesem Zusammenhang ist es schwer verständlich, warum Regierungen, Institutionen und Medien weiterhin an diesem Netzwerk teilnehmen und es durch ihre Präsenz mitfinanzieren. ... Plattformen wie X verschlimmern zweifelsohne unsere Gesellschaft. Sich damit abzufinden und dabei zu bleiben, ist vermeidbar.“

Trud (BG) /

Weitere Radikalisierung zu befürchten

Der Hass auf Einwanderer ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen, beschreibt Trud:

„Es ist soweit gekommen, dass der Ruf nach Abschiebungen als gemäßigte Position gilt. Ganz real fordern Menschen mittlerweile eine Kombination aus Todesstrafe, Abschiebung und Bestrafung für Politiker und Beamte. ... Wir sprechen hier nicht mehr von einer Handvoll Menschen, die in den sozialen Netzwerken lautstark protestieren und als Abschaum verspottet werden. Wir sprechen von jungen Männern, die gebildet und organisiert sind. ... Werden jetzt keine entschlossenen, einschneidenden Maßnahmen ergriffen, werden sich diese jungen Männer weiter radikalisieren.“

La Stampa (IT) /

Farage gießt Öl ins Feuer

Die Ausländerfeindlichkeit wird immer mehr angeheizt, klagt La Stampa:

„Es ist ein Szenario, das sich immer häufiger wiederholt: Ein blutiger Vorfall mit migrantischen Hintergründen wird zum politischen Auslöser. Das war bereits der Fall, nachdem in Southampton ein junger Engländer von einem Gleichaltrigen indischer Herkunft erstochen worden war. ... Der Vorsitzende der Partei Reform UK, Nigel Farage, beschuldigte die Polizei, mit zweierlei Maß zu messen und paradoxerweise weiße Engländer zu diskriminieren, um den Verdacht des Rassismus zu vermeiden. Ein unbegründeter Vorwurf: Selbst im toleranten England geschieht es Angehörigen ethnischer Minderheiten viermal häufiger als Weißen, dass sie von der Polizei angehalten werden, und mehr als doppelt so häufig, verhaftet zu werden.“

The Daily Telegraph (GB) /

Den Politikern fehlen die richtigen Worte

The Daily Telegraph verweist auf Gründe, weshalb die Proteste in Nordirland auf fruchtbaren Boden fallen:

„Erstens wird Nordirland noch immer stark von konfessionell geprägter Politik bestimmt. Zweitens erlebt die Region inzwischen Migration und demografische Veränderungen, auf die Nordirlands Institutionen nie ausgelegt waren. Und drittens fehlt es nahezu vollständig an einer ehrlichen öffentlichen Sprache, um über das Zusammenspiel dieser beiden Phänomene zu sprechen. … Die politische Sprache Nordirlands ist für die Welt, in der das Land heute lebt, völlig veraltet. Seine Politiker sind geübt darin, konfessionellen Hass zu verurteilen, fühlen sich aber sichtlich unwohl, wenn es um Themen wie Migration, Integration und Kriminalität geht.“

El Mundo (ES) /

Klartext statt Andeutungen nötig

Die Dinge sollten auf den Punkt gebracht werden, meint El Mundo:

„Eine Art Lethargie lähmt die Kommentatoren, wenn ein Immigrant im Stadtzentrum in eine Menschenmenge rast. Oder wenn eine Gruppe Immigranten eine junge Frau vergewaltigt. … Die Atmosphäre ist voll von unausgesprochenen Annahmen. Die Toten, die Verwundeten, die Vergewaltigten häufen sich, weil es keine Diagnose, keine Beobachtungsstelle, keinen Mut gibt. Man geht davon aus, dass sich ein vermeintlich nicht existierendes Problem von selbst lösen sollte. … Das Bedürfnis zu schweigen, wenn sich im Herzen der Städte blutige Schauspiele ereignen, wird fast schon krankhaft, besonders wenn die Herkunft schon andere Male eine Rolle gespielt hat.“