Treibstoffmangel: Wendepunkt in Russlands Krieg?
Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Tagen ihre Angriffe auf russische Raffinerien und Öllager ausgeweitet. Nun wird in Russland der Treibstoff knapp, in mehreren Regionen gibt es Verkaufsbeschränkungen. Moskau versucht nun laut Insidern, Benzin aus Kasachstan zu importieren.
Selbst entlegene Regionen ohne Sprit
Die ukrainischen Drohnenangriffe zeigen Wirkung, schreibt Gazeta Wyborcza:
„Russland schlittert in eine immer ernstere Kraftstoffkrise, obwohl es zu den drei weltweit größten Ölproduzenten zählt. ... Bis vor Kurzem waren der Spritverkauf lediglich auf der Krim sowie in den an die Ukraine angrenzenden Regionen eingeschränkt. Inzwischen weitet sich die Krise jedoch auf das gesamte Land aus und hat auch Sibirien erreicht: eine Region, die für ukrainische Drohnen faktisch unerreichbar ist. Seit Mittwoch ist die Betankung an Tankstellen in der Region Omsk auf den Fahrzeugtank beschränkt, wobei die Abgabemenge bei 40 Litern Benzin oder 80 Litern Diesel gedeckelt ist.“
Wolgabrücken werden zum neuralgischen Punkt
Politologe Nikolai Mitrochin empfiehlt einen Blick auf die russische Landkarte und merkt auf Facebook an:
„Ganz Russland stützt sich nicht auf die Armee und die Marine und auch nicht auf den FSB, sondern auf 17 Eisenbahnbrücken über die Wolga. Über diese Brücken fahren immer wieder lange Güterzüge. Unter anderem auch mit Treibstoff. Und all diese Brücken liegen in Reichweite schwerer ukrainischer Angriffsdrohnen und Raketen. ... Und egal, wie viel Treibstoff die Russische Föderation einkauft – höchstwahrscheinlich wird er über diese Brücken transportiert.“
Von fehlendem Benzin zur Kriegsmüdigkeit
Politologe Sergej Medwedew beschreibt auf Facebook die Folgen des Treibstoffmangels für die Kriegsführung und die Moral der russischen Gesellschaft:
„Der Mangel an Treibstoff und an Brenn- und Schmierstoffen im Allgemeinen führt dazu, dass sie an der Front fehlen. Das Hauptziel ist, im Sommer und insbesondere während der sogenannten Offensivkampagne einen Mangel an Brenn- und Schmierstoffen für die russischen Besatzungstruppen herbeizuführen. ... Der grundlegende Trend ist eine Hinwendung zum Fatalismus. Wenn der Krieg schlecht läuft und die Bevölkerung unter seinen Folgen und Unannehmlichkeiten zu leiden beginnt, dann begibt sie sich in die Haltung: 'Was soll man schon tun, das ist Schicksal.' Da müssen sie durch.“