Kann sich Europa an das neue Klima anpassen?

Meldungen über Hitzerekorde sind spätestens in diesem Sommer fast überall in Europa zum Alltag geworden. In vielen Ländern herrscht extreme Dürre, die Pegel von Flüssen und Seen markieren Tiefststände. Waldbrände führen zu Massenevakuierungen. Ein Streifzug durch die Kommentarspalten der europäischen Presse, in der nicht alle Stimmen pessimistisch sind.

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Kurier (AT) /

So angenehm könnten Städte sein

Eine optimistische Zukunftsvision bringt der Kurier in die Debatte ein:

„Montag im August 2050, sieben Uhr früh. Das Erste, was auffällt, ist das, was fehlt – der Lärm. Kein 'Rööhr', die fossilen Verbrenner sind weg. Auch der Gestank ist verschwunden. Stattdessen: Vogelgezwitscher, Fahrradklingeln, spielende Kinder, Tratsch. Über den Dächern von Wien liegt kein Hitzestau, die Stadt konnte im vergangenen Jahrzehnt um einige Grade abgekühlt werden, weil zwischen den Häusern Bäume stehen, wo früher Pkw den öffentlichen Raum okkupierten. Die Schwammstadt zeigt Wirkung: Sickerflächen speichern Regen, versorgen Bäume, kühlen die Straße. Jedes Gebäude ist ein Kraftwerk, Photovoltaik auf Dächern, in Fenstern und Fassaden, dazu Batteriespeicher, die das Netz entlasten. Die Wärme kommt aus der Erde.“

T24 (TR) /

Die Dürre beginnt in der Mülltonne

Wer beim Wassersparen nur an den Wasserhahn denkt, übersieht die größte Verschwendung, kommentiert T24:

„In Wahrheit werfen wir das Wasser mitsamt Brot, Reis, Nudeln, Obst und Gemüse in den Müll. Die Menge, die durch Nahrungsmittelverluste und Verschwendung verloren geht, entspricht etwa einem Viertel des in der Landwirtschaft genutzten blauen und grünen Wassers. ... Was wir nicht wegwerfen sollten, kippen wir in die Natur. Und was wir wertschätzen sollten, werfen wir weg. Der Kern unseres Problems ist: Wir bekommen weder unseren Müll noch unsere Ressourcen in den Griff.“

Les Echos (FR) /

Anpassung ist das Gebot der Stunde

Für Grundsatzdebatten und Ursachenforschung ist jetzt keine Zeit mehr, urteilt Les Echos:

„Wenn das Schiff sinkt, geht es nicht darum, die Ursache des Untergangs zu beheben, sondern in die Rettungsboote zu steigen. Die Dringlichkeit ist zugleich gesellschaftlicher, gesundheitlicher, wirtschaftlicher und politischer Natur. Wir müssen Arbeitszeiten und Zeitpläne, Städte und Saatgut, Produktion und Urlaube, Lebensweisen und Gesellschaften anpassen. … Die gute Nachricht ist, dass die Regierenden in Frankreich und Europa allmählich das Ausmaß des Problems anerkennen und damit beginnen, Anpassungspläne auszuarbeiten. Aber es muss schneller, entschlossener und weitreichender vorgegangen werden.“

Le Soir (BE) /

Das Übel auch an der Wurzel packen

Das neue Schlagwort Anpassung darf nicht die Reflexion über die Gründe verdrängen, mahnt Le Soir:

„Seit Beginn des Sommers hat sich der Begriff 'Anpassung' in der öffentlichen Debatte durchgesetzt. Zu Recht: Unsere Gesellschaften müssen sich an eine Welt anpassen, die sich erwärmt. Das ist unverzichtbar, aber unzureichend. ... Zwar kann und muss man von den zuständigen Behörden erwarten, dass sie sich auf 'morgen' einstellen, doch man muss ebenso einfordern, dass das Problem an der Wurzel angegangen wird: die Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Es geht nicht darum, sich zwischen Klimaschutz und Anpassung zu entscheiden, sondern beides gleichzeitig voranzutreiben.“

Hospodářské noviny (CZ) /

Ignoranz siegt über Sorgen

Hospodářské noviny klagt über Sturheit, mit der vor allem in sozialen Medien der Klimawandel weiter geleugnet wird:

„Die Zahl der Todesopfer der diesjährigen Hitzewelle in Europa steigt. Niemand zählt die Fälle, in denen jemand 'nur' zusammenbrach oder schwerwiegendere Komplikationen erlitt. Immer mehr Haushalte leiden unter Wasserknappheit. Anstatt ernsthaft darüber zu diskutieren, wie wir dem in den kommenden Jahren begegnen und wie wir Bürger, Ernten, Tiere und die Landschaft vor diesen Phänomenen schützen können, streiten wir über die Existenz des Klimawandels. Ideologische Starrheit siegt über die realen Probleme, die immer mehr Menschen beunruhigen. Und die tschechische Regierung reagiert völlig passiv auf diese Besorgnis.“