Was bedeuten die Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien?
Die Huthi-Miliz greift seit rund einer Woche Flughäfen und Industrieanlagen in Saudi-Arabien an und droht mit einer weiteren Eskalation. Saudi-Arabien unterstützt die international anerkannte Regierung im Jemen, die gegen die mit Iran verbündete Huthi-Miliz kämpft. Die USA und auch das Mekka-Bündnis zeigten sich zunächst zurückhaltend, was Unterstützung für Riad angeht.
Die Saudis standen der Türkei nie zur Seite
Die Türkei sollte trotz ihres Beitritts zum neuen Mekka-Pakt gut abwägen, bevor sie in diesem Konflikt militärische Risiken eingeht, mahnt Sözcü:
„Wer einem Land mitten im Krieg militärisch bei der Verteidigung hilft, läuft Gefahr, als Konfliktpartei wahrgenommen zu werden. Das heißt, die Türkei würde gegenüber dem Iran an derselben Front verortet wie die USA und Saudi-Arabien. Mehr noch: Wenn die Türkei und Pakistan in Saudi-Arabien Streitkräfte stationieren, und sei es zur Verteidigung, könnte das den Konflikt ausweiten. Soll die Türkei etwa nicht reagieren, falls die in Saudi-Arabien stationierten türkischen Einheiten angegriffen werden? ... In welcher unserer nationalen Fragen hat das nun von uns unterstützte Saudi-Arabien je an unserer Seite gestanden?“
Verbündeten helfen ist nicht mehr selbstverständlich
Interia warnt vor der weltweit abnehmenden Bereitschaft zur Bündnistreue:
„Wir sollten unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie die Generäle der US-Armee zusammen mit der Regierung von Donald Trump alles daran setzen, sich nicht in einen Krieg an einer neuen Front hineinziehen zu lassen. Sie lavieren, winden sich und untergraben damit die Ordnung der internationalen Politik in einem weiteren Teil der Welt. ... Wenn wir Spitzenpolitikern aus den USA zuhören, müssen wir zu dem Schluss kommen, dass nur jemand, der nicht ganz bei Verstand ist, einfach so an die Versprechen glauben kann, dass man uns zu Hilfe kommen werde. Auch die europäischen Länder mit ihrem wachsenden Nationalismus driften zunehmend in Richtung Pazifismus ab.“
Schmerzhafte Lektion für Riad
Saudi-Arabien kann sich nicht länger auf die USA verlassen, analysiert Kolumnist Pierre Haski in France Inter:
„Die Huthis stellen das Königreich vor eine Herausforderung, auf die es nur schwer reagieren kann. Das liegt vor allem am amerikanischen Schutz für Saudi-Arabien, der bis 1945 zurückreicht und heute sehr an Glaubwürdigkeit verloren hat. Zwar erklärte Donald Trump am Sonntag nach den Angriffen auf die Flughäfen, er könne im Kampf gegen die Huthis helfen. Doch drei Wochen vor den Midterms wird Trump keine Lust haben, in einen neuen Krieg zu ziehen. … Die wichtigste Lehre für Saudi-Arabien ist, dass es ein Fehler war, seine Sicherheit den USA zu überlassen und dabei zu glauben, sich aus dem Konflikt mit dem Iran heraushalten zu können. Diese Lektion bezahlt das Land teuer.“
Katastrophe für den starken Führer
Riad ist in der Zwickmühle, analysiert Diena:
„Die Huthis sind entschlossen, ihre Angriffe auf Riad fortzusetzen, bis Saudi-Arabien die Unterstützung der jemenitischen Regierung einstellt. Ein solcher Schritt wäre jedoch eine Katastrophe für bin Salman und sein Image als 'starker Führer'. Die Alternativen sind ebenso unbefriedigend. Luftangriffe auf Huthi-Gebiet beeinträchtigen deren militärisches Potenzial nicht, sondern provozieren lediglich Vergeltungsschläge. Die Entsendung zusätzlicher saudischer Truppen in den Jemen würde unweigerlich den Tod zahlreicher Soldaten bedeuten.“
Der Preis für Trumps Selbstherrlichkeit
Hinter alldem steckt der ungelöste saudisch-iranische Konflikt um die Vorherrschaft am Golf, weiß die Frankfurter Allgemeine Zeitung:
„Im Jemen wird er schon seit Jahren militärisch ausgetragen. In dieses strategische Wespennest hat Trump mit einer Mischung aus Selbstherrlichkeit und Unkenntnis hineingestochen, die vielen Rechtspopulisten gemein ist. Den Preis zahlt jetzt Saudi-Arabien, das sich aus dem Bürgerkrieg des Nachbarlandes eigentlich zurückziehen wollte, um sich um die eigene Wirtschaft zu kümmern. Die saudische Außenpolitik beruht seit Jahrzehnten auf dem Bündnis mit Amerika. Dass Trump es weitgehend entwertet hat, könnte den gesamten Nahen Osten noch stark verändern.“
Riad auf der Suche nach Hilfe
Saudi-Arabien ist in Not, analysiert Il Manifesto:
„Die jüngsten Angriffe der Huthis fanden statt, während in Riad ein Energiekongress eröffnet wurde und zudem zahlreiche internationale Delegationen zum 'Davos der Wüste' [in zwei Wochen] erwartet werden. ... Doch wer wird kommen, wenn der Flughafen geschlossen oder unsicher ist? ... Riad hat Milliarden Dollar für amerikanische und westliche Waffen ausgegeben, die gegen Raketen und Drohnen der Huthis wenig ausrichten konnten. Und so bleibt nichts anderes übrig, als auf die Hilfe von Trump zu setzen und auf die der Europäer, die immer bereit sind, den Herren des Öls unter die Arme zu greifen.“
Erstaunliche Kraft der Rebellen
Warum die Huthis zu diesen Angriffen fähig sind, ist für To Vima ein Rätsel:
„Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die pro-iranischen Rebellen ohne die Hilfe Teherans kein Präzisionswaffenarsenal mit einer Reichweite von 1.500 bis 2.000 Kilometer hätten aufbauen können, also ohne die Unterstützung iranischer Techniker und Militärberater. Sie tun sich jedoch schwer damit zu erklären, wie dieses große Waffenarsenal, das die ganze Zeit über verborgen war, entstanden ist und wie es den Huthis gelingt, die Raketenabwehr der Saudis und ihrer Verbündeten an so vielen Stellen und mit so großer Häufigkeit zu durchbrechen.“