Hegseth will Attentäter öffentlich erschießen lassen

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat angekündigt, erstmals seit mehr als 60 Jahren eine Militärhinrichtung durchführen zu wollen. Die Erschießung des verurteilten Attentäters, der 2009 auf dem Militärstützpunkt Fort Hood 13 Menschen erschossen hatte, solle zudem live übertragen werden. Menschenrechtler, aber auch demokratische und republikanische Politiker äußerten scharfe Kritik. Kommentatoren schließen sich an.

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Avvenire (IT) /

Auge um Auge, Zahn um Zahn missverstanden

Gleiches mit Gleichem vergelten ist reiner Irrsinn, klagt Avvenire:

„Die Hinrichtung – so verkündete Hegseth zufrieden – werde durch Erschießen erfolgen, auf dieselbe Weise, zur selben Uhrzeit und an demselben Ort, an dem das Massaker stattgefunden habe. Eine öffentliche Erschießung (wie in Nordkorea, im Iran …) und live übertragen. ... Eine Art 'Auge um Auge, Zahn um Zahn' im digitalen Zeitalter. Doch auch das Prinzip der Vergeltung in der Bibel bekräftigte faktisch den Schutz der Schwachen und erinnerte den Mächtigen daran, dass er jedes Mal mit gleicher Münze bestraft würde, wenn er einen Armen, dessen Frau oder dessen Hab und Gut schädigte. Und es schränkte unverhältnismäßige Rache ein.“

Tages-Anzeiger (CH) /

Zurschaustellung von Grausamkeit

Der Tages-Anzeiger kritisiert das Vorhaben der US-Regierung scharf:

„Wer einen Menschen im Augenblick seines Todes zur Schau stellt, will vor allem eines: seine eigene Grausamkeit demonstrieren. Das war beim IS nicht anders. ... Die per Livestream übertragene Hinrichtung passt exakt ins Bild, das die USA seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit abgeben. Die USA führen einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran, auf den Strassen erschiessen vermummte Beamte der Einwanderungsbehörde ICE Menschen, Migranten werden in gefährliche Staaten deportiert, politische Gegner juristisch verfolgt. Eine live gestreamte Hinrichtung ist bloss ein weiterer Schritt in Richtung eines autoritären Staates mit faschistischen Tendenzen.“

republica.ro (RO) /

Zurück ins Mittelalter

Das wird eher weitere Attentate provozieren, meint der Journalist Cristian Tudor Popescu auf der Website von republica.ro:

„Wird so etwas potenzielle Mörder abschrecken? Im Gegenteil: Diese begehen ihre Verbrechen in der Hoffnung, in die Geschichte einzugehen, und die spektakuläre öffentliche Hinrichtung durch Erschießen ist in dieser Hinsicht weitaus gewinnbringender als die tödliche Injektion in der Anonymität einer Gefängniszelle. Viele einfache Bürger auf diesem Planeten werden die Szene fasziniert verfolgen. ... Wir kehren zurück zu den Zuschauermengen im Mittelalter, die jedes Zucken des Gehängten, Enthaupteten oder auf dem Scheiterhaufen Verbrannten genossen haben.“

Frankfurter Rundschau (DE) /

Auf einer Stufe mit Kabul und Pjöngjang

Die Frankfurter Rundschau fühlt sich an Methoden von Terroristen erinnert:

„Der 'IS' filmte Hinrichtungen. Die Attentäter von Christchurch und Halle übertrugen ihre Taten live im Netz. ... Die mediale Inszenierung tödlicher Gewalt soll die Wirkung verstärken, soll Angst verbreiten, Normen und Grundsätze von Gesellschaften zertrümmern. Eine Analogie zur Regierung von Donald Trump liegt auf der Hand. ... Die Übertragung der Hinrichtung durch das Militär führt die USA tiefer in die Autokratie – und die Doppelmoral: Die Ästhetik des Exekutionsspektakels ist kein Kennzeichen der westlichen Wertegemeinschaft, sie ist das Markenzeichen von Regimen in Teheran, Kabul oder Pjöngjang.“