Sollten Regierungen Medien unter die Arme greifen?

Medien erleben in der Corona-Krise ein Paradox: Während immer mehr Menschen sie nutzen, um sich über aktuelle Entwicklungen zur Pandemie zu informieren, leiden die Unternehmen massiv unter Einnahmeverlusten, weil ihnen Werbeanzeigen wegbrechen. Einige Regierungen planen Rettungsprogramme. Doch Kommentatoren sind nicht überzeugt, dass das reicht.

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Jornal Económico (PT) /

Palliativmaßnahmen für die Presse

Die portugiesische Regierung versucht, der Medienkrise durch vorgezogene Werbekäufe im Wert von 15 Millionen Euro zu begegnen. Jornal Económico ist skeptisch, ob das was bringt:

„Was nützt institutionelle Werbung in Zeitungen, die sich nicht an den Kiosken verkaufen? Es wäre viel effektiver, auf Leser zu wetten und ihnen kostengünstige Abonnements und einen wettbewerbsfähigeren Preis anzubieten. Wir sind in das alte Gleichnis gefallen, den Fisch zu verschenken, anstatt zu lehren, wie man fischt. Am Ende werden Journalisten leiden, die keine Arbeit haben, und der Leser, der keine starke Presse haben wird. ... Geld von der Regierung zu erhalten, ist nur eine Palliativmaßnahme bei einem angekündigten Tod, in diesem Fall dem des Journalismus selbst.“

Libertatea (RO) /

Finger weg von Staatsgeldern

Die rumänische Regierung will bis Ende August mit einer Informationskampagne gegen die Ausbreitung des Coronavirus vorgehen und damit als Werbepartner bei den Medien einspringen. Libertatea sieht die Pressefreiheit in Gefahr:

„Unsere Presse wird Geld zum Überleben bekommen, denn die Regierung von [Ludovic] Orban hat für die kommenden vier Monate eine Informationskampagne gebilligt, im Wert von 200 Millionen Lei [rund 40 Millionen Euro]. Als Hilfe für die Presse, deren Werbeeinnahmen weggebrochen sind. Angesichts dieser Lage ist schwer vorstellbar, dass diese Presse noch den Mut haben wird, Orban oder [Präsident Klaus] Iohannis oder einen Minister zu kritisieren. ... Früher oder später wird die Pandemie vorbei sein, dann folgen Lokal- und Parlamentswahlen und eine solche Hilfe wird die Presse nicht vergessen. “

Postimees (EE) /

Zweifel an Unabhängigkeit darf nicht entstehen

In Tallinn hat die Regierung beschlossen, die Auslieferung der Zeitungen in der Corona-Krise zu unterstützen - was der rechtsradikale Innenminister Mart Helme scharf kritisierte. Einige Medienfirmen fordern außerdem, dass die Regierung bis Ende des Jahres monatlich für eine Million Euro Werbeflächen kauft. Nachdem der Zeitung Postimees vorgeworfen wurde, zu milde mit der Regierung umzugehen, distanziert sie sich nun von diesem Anliegen:

„Postimees hat weder Mart Helme noch irgendjemand anderem etwas versprochen. Wohl aber haben wir angesichts der Aussagen von ihm und manchen anderen eine wichtige Entscheidung getroffen: Postimees beteiligt sich nicht an der Forderung der Medienunternehmen nach Sonderunterstützung, sondern wir nutzen nur die allgemeinen staatlichen Maßnahmen. Wir wünschen nicht, dass unsere journalistische Unabhängigkeit dadurch in Zweifel gerät. Wir wollen das Geld nicht.“