Sudan-Konferenz in Berlin: Reicht diese Hilfe?
In Berlin wurden am Mittwoch auf einer internationalen Konferenz Hilfszusagen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro für den seit drei Jahren von einem brutalen Bürgerkrieg heimgesuchten Sudan gemacht. In dem nordostafrikanischem Land sind nach UN-Angaben 34 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Die Medien debattieren angesichts der Hungerkatastrophe Ursachen, Folgen und mögliche Auswege.
Keine Linderung des Leids ohne Waffenruhe
Der Tages-Anzeiger hat wenig Hoffnung:
„Findet die Weltgemeinschaft endlich den Willen und die Kraft, die Kriegsherren in ihre Schranken zu weisen? Man kann das gleich abkürzen: Dies wird nicht geschehen. So war es aber auch nicht gedacht. Die Kriegsparteien sind nicht geladen, so kann es gar keine Verhandlungen über eine Waffenruhe geben. Das Treffen verfolgt andere Ziele: einen Schub für die humanitäre Hilfe, vor allem, um das Leiden zu lindern. Das ist wichtig. Aber zugleich gilt: Der beste Schritt, um Not zu lindern, wäre erst mal eine Feuerpause. Und die ist nicht in Sicht. So wird der Sudan der Schauplatz der weltweit grössten Vertreibungs- und Hungerkrise bleiben.“
Es braucht eine zivile Lösung
Der Deutschlandfunk begrüßt, dass auf der Konferenz zivile Vertreter im Mittelpunkt standen:
„So zerstritten sie auch untereinander sein mögen, die zivilen Politiker und die vielen lokalen Hilfsorganisationen sind die einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft für den Sudan. ... Richtig ist, ohne das Militär wäre Baschirs Sturz [2019] vermutlich nicht geglückt ... . Doch die internationale Gemeinschaft machte danach den Fehler, weiter auf die Generäle als unverzichtbare Partner zu setzen. ... Nur mit Konferenzen und humanitärer Hilfe wird dieser Krieg nicht zu beenden sein, das ist klar. ... Aber ohne dieses Pflaster würde die Bevölkerung noch mehr bluten. Das haben die Sudanesen nicht verdient.“
Gerechtigkeit darf nicht aufgeschoben werden
Das Vereinigte Königreich, Deutschland, Irland, die Niederlande und Norwegen haben eine Koalition zur Prävention von Gräueltaten und zur Förderung der Gerechtigkeit im Sudan gegründet. Sie kann sofort handeln, betont Menschenrechtler Mohamed Osman in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau:
„[D]urch volle Unterstützung der Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs zu Darfur, durch Druck auf Sudan, die gesuchten Personen unverzüglich zu überstellen, und durch den Einsatz für eine Ausweitung der Gerichtsbarkeit auf ganz Sudan. ... Rechenschaft darf nicht als letztes, noch ungeschriebenes Kapitel der sudanesischen Tragödie behandelt werden. Sie muss der Anfang sein, um sie endlich zu beenden. Die Lehre aus Jahren von Krieg, Verlust und Zerstörung im Sudan ist klar: Wird Gerechtigkeit weiter aufgeschoben, wächst das Leid der Bevölkerung.“
Eigennützige Einmischung fremder Nationen
Am Leid sind nicht nur die Sudanesen schuld, betont The Times:
„Niemand im Sudan kann sich an eine Zeit des Friedens erinnern. Seit der Unabhängigkeit von der gemeinsamen Herrschaft Großbritanniens und Ägyptens wird das größte Land Afrikas von Staatsstreichen, Unterdrückung, Diktatur und Bürgerkriegen heimgesucht. ... Der Sudan stellt das Bestreben der Afrikanischen Union, Frieden und Stabilität auf dem gesamten Kontinent zu fördern, auf die Probe. Eine Herausforderung, an der sie umfassend gescheitert ist. Was den Konflikt jedoch so unlösbar gemacht hat, ist die eigennützige Einmischung ausländischer Nationen, die von Waffenverkäufen, politischem Einfluss und der Ausbeutung der reichen Öl- und Mineralvorkommen des Sudans profitieren wollen.“
Auswirkungen auf Europa werden unterschätzt
Die Krise im Sudan darf nicht ignoriert werden, warnt La Tribune de Genève:
„Wir unterschätzen die Auswirkungen der Geschehnisse im Sudan. Denn eine anhaltende Destabilisierung in der Region wird unweigerlich Migrationsdruck auf Europa erzeugen. Auch wenn die Straße von Hormus derzeit im Mittelpunkt des Interesses steht, ist hier eine andere entscheidende Seeverkehrsachse betroffen: das Rote Meer. So versucht Russland nun, im Sudan einen Marinestützpunkt zu errichten. Sollte dies gelingen, würde es sich einen erheblichen Vorteil bei der Überwachung des Schiffsverkehrs vom und zum Suezkanal verschaffen. Verschließen wir also nicht die Augen.“