Wie auf Israels Umgang mit Gaza-Aktivisten reagieren?

Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir ist von den Regierungen mehrerer Staaten für seinen Umgang mit den festgenommenen Aktivisten der Global Sumud Flotilla kritisiert worden. Ein von dem ultrarechten Politiker gepostetes Video zeigt ihn unter anderem spottend und eine israelische Fahne schwenkend zwischen gefesselten und knienden Aktivisten. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu distanzierte sich von dem Vorfall.

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Viktor Schenderowitsch (RU) /

Eine ethische Frage mit klarer Antwort

Der Schriftsteller Viktor Schenderowitsch warnt in einem Facebook-Post:

„Die öffentliche körperliche Erniedrigung wehrloser Menschen (ganz gleich, wer sie sind und welche Überzeugungen sie vertreten) verlagert die Frage endgültig aus dem komplexen politischen Bereich in den ethischen, unumstrittenen. Und gibt eine klare Antwort auf eine direkte Frage: Nein, ein Mensch wie Ben-Gvir darf Israel nicht vertreten, wenn Israel nicht vorhat, sich nach und nach in eine jüdische Variante der Hamas zu verwandeln. Hier geht es nicht um rechts oder links, sondern um grundlegende zivilisatorische Werte und, wenn man so will, um den Selbsterhaltungstrieb.“

Il Manifesto (IT) /

Die Schweigemauer durchbrochen

Weil sie die Weltöffentlichkeit zum Hinsehen zwingt, war die Aktion der Flottille sehr erfolgreich, lobt Il Manifesto:

„Der Minister zeigt die israelischen Haftpraktiken selbst auf, während die übrigen Institutionen angesichts internationaler Kritik dies als die etwas verrückte Tat eines Einzelnen abtun. ... Israel hat die Stimmen der palästinensischen und internationalen Presse zum Schweigen gebracht. Es hat jeden Bericht unabhängiger NGOs und der Vereinten Nationen dämonisiert. Im Fall der Flottille erreichte Israel die Tore Europas, um Menschen zu entführen, die weniger die Blockade des Gazastreifens durchbrechen wollten – ein unmögliches Unterfangen – als vielmehr das Schweigen, das ebendiese Blockade stützt.“

Salzburger Nachrichten (AT) /

Massiver Imageschaden für Netanjahu

Die Salzburger Nachrichten kommentieren:

„Für Benjamin Netanjahu stellt der Vorfall nach dem Abbruch eines erneuten Angriffs gegen den Iran einen weiteren politischen Rückschlag dar. Denn selbst seine europäischen Verbündeten sehen in Ben-Gvirs Auftreten ein PR-Desaster. Dass er wie Finanzminister Smotrich sowohl in Gaza, dem Libanon als auch in Syrien neue Siedlungen errichten will, gerät nun wieder weltweit ins Rampenlicht. Die 'Global Sumud'-Aktion hat nun die Aufmerksamkeit auf die desaströse humanitäre Lage in Gaza gelenkt. Dort verschärfen Hitze, Wassermangel und die Ausbreitung von Krankheiten die ohnehin prekäre Situation der Bevölkerung. Ben-Gvir hat die Welt zudem daran erinnert, wie es den zehntausend in israelischen Gefängnissen sitzenden Palästinensern ergeht.“