Libanon als Knackpunkt bei Iran-Verhandlungen
Während die USA und der Iran über eine Friedenslösung verhandeln, spitzt sich die Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah weiter zu. Das iranische Regime drohte nun am Montag damit, die Verhandlungen mit Washington auszusetzen, sollte Israel seinen Einsatz im Libanon fortführen. Daraufhin sprach US-Präsident Trump mit beiden Seiten und teilte mit, dass es keine weiteren Kämpfe geben werde.
Teheran reicht ein Separatfrieden nicht
Der Libanon wird zum Hauptproblem, schlussfolgert La Stampa:
„Monatelang stand die Konfrontation zwischen Washington und Teheran im Mittelpunkt der Krise. Heute geht es nicht mehr um eine Einigung, sondern darum, ob der Libanon diese überhaupt zulassen wird. ... Hier stehen sich nicht nur Israel und die Hisbollah gegenüber, sondern zwei unvereinbare Vorstellungen von regionaler Ordnung. Washington will die Krisen trennen. Teheran will sie vereinen. Für Teheran ist ein Separatfrieden zwischen den USA und Iran unmöglich, solange der Krieg gegen die Hisbollah andauert. Irans Ziel ist nicht die Beendigung eines Konflikts, sondern die Neudefinition des Begriffs Waffenstillstand.“
Beste Werbung für die Hisbollah
Die Auswirkungen des Vormarschs im Libanon könnten andere sein, als sich Israel das vorstellt, warnt tagesschau.de:
„Die Bilder von der Burg Beaufort und den vorrückenden israelischen Soldaten schwächen die libanesische Regierung, mit der Israel eigentlich verhandelt und sie stärken die Hisbollah. Der Kampf gegen israelische Soldaten auf libanesischem Boden während der israelischen Besatzung von 1982 bis 2000 hat die Hisbollah im Libanon populär gemacht. Als die israelischen Truppen danach frustriert abgezogen sind, wurde die schiitische Miliz in der gesamten arabischen Welt gefeiert. Der neuerliche Vormarsch israelischer Bodentruppen ist daher die beste Werbung für die Hisbollah.“
Israel will vor einem Deal Boden gutmachen
Israel handelt im Libanon nach bekanntem Muster, schreibt NRC:
„Dies passt zu der Doktrin der israelischen Regierung, wonach die militärische Eroberung von Gebieten feindlicher Nachbarländer notwendig sei, um die eigenen Bürger zu schützen. ... Die israelischen Machthaber befürchten in letzter Zeit offen, dass der Iran und die Vereinigten Staaten ein Abkommen schließen könnten, das auch den Krieg im Libanon beenden wird. Daher ist es Ziel, so viel Territorium wie möglich zu erobern, da eingenommene Gebiete oft den Ausgangspunkt für Friedensverhandlungen bilden. Auf diese Weise gelang es Israel bei der Staatsgründung im Jahr 1948, ein weitaus größeres Gebiet einzunehmen, als von den Vereinten Nationen vorgesehen war.“
Augenwischerei statt Diplomatie
Die verhandelnden Seiten glauben ohnehin nicht an einen dauerhaften Waffenstillstand, schreibt der politische Analyst Manuel Serrano in Expresso:
„Trump hat keine Verbündeten, nur seine eigenen Interessen. Der Nahe Osten funktioniert nicht mehr nur über Bündnisse. Er funktioniert zunehmend über vorübergehende Mechanismen des wirtschaftlichen Überlebens. Niemand glaubt wirklich an ein Abkommen, aber alle sind dringend darauf angewiesen, dass es für eine gewisse Zeit funktioniert. Das ist die treffendste Definition der heutigen Diplomatie. Es geht nicht mehr darum, Konflikte zu lösen. Es geht darum, den Moment hinauszuzögern, in dem Illusionen unweigerlich mit der Realität kollidieren.“
Unruhe bleibt bestehen
Phileleftheros beschäftigt sich allgemein mit den Machtverhältnissen in der Region:
„Der Nahe Osten tritt nicht in eine Phase der Ruhe ein, sondern in eine Phase der Neuordnung. Auf der einen Seite stehen die Abraham-Abkommen [zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten] und der Versuch, Israel in die neue regionale Normalität zu integrieren. Auf der anderen Seite steht eine Achse aus Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan, die uns daran erinnert, dass niemand die Führung der Region kampflos an andere abgeben will. Dies ist der zentrale Konflikt, der sich abzeichnet. Nicht nur zwischen Staaten, sondern zwischen zwei unterschiedlichen Architekturen für den Nahen Osten von morgen. Und sie sind nicht die einzigen Kandidaten.“