Zum Tod von Persepolis-Autorin Marjane Satrapi

Die französisch-iranische Künstlerin Marjane Satrapi ist im Alter von 56 Jahren in Paris gestorben. Mit ihrer autobiografischen Graphic Novel Persepolis wurde sie weltberühmt. 2025 sollte sie in die französische Ehrenlegion aufgenommen werden, lehnte dies jedoch ab. Satrapi kritisierte vor allem, dass Frankreich Visa-Bewerbungen von jungen iranischen Dissidenten und Künstlern abgelehnt habe. Die Presse würdigt die Künstlerin und ihr Werk.

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Libération (FR) /

Frei und unbezwingbar

Satrapi hat die Comic-Welt geprägt, würdigt die bekannte französische Karikaturistin Coco die verstorbene Zeichnerin in Libération:

„In ihrer Welt aus Dunkelheit und Licht verkörperte sie Lachen und Ernsthaftigkeit, Charakter und Sensibilität, Stärke und Zerbrechlichkeit. Ein Spiel der Gegensätze. … Sie war eine Inspiration für Generationen von Zeichnern, insbesondere für Zeichnerinnen. Sie zeigte, dass es möglich war und dass es genügte, etwas zu sagen zu haben und niemals aufzugeben. Als freie und engagierte Frau, die Zigarette im Mundwinkel, warf sie die goldene Medaille der Ehrenlegion in einer Rauchwolke in die Tonne, mit jener unbezähmbaren Eleganz, die das iranische Volk ausmacht. Satrapi, ein schicker und schockierender Stil, kompromisslos, so roh im Anblick wie die schweren Stiefel, die sie trug und mit denen sie dem Obersten Führer wohl gern in den Hintern getreten hätte.“

La Repubblica (IT) /

Kritik an leeren Symbolen

Schriftsteller Roberto Saviano erinnert in La Repubblica daran, wie Satrapi nach dem Tod von Mahsa Amini und dem Start der Bewegung "Frau, Leben, Freiheit" die Scheinhilfe aus dem Westen anprangerte:

„Die europäische Linke mobilisierte sich, die sozialen Medien füllten sich mit solidarischen Beiträgen, Stars zeigten sich mit offenem Haar. Satrapi betrachtete das alles mit Misstrauen. Was sie sah, war symbolische Unterstützung ohne Konsequenzen: kein wirklicher Druck auf die Regierungen, keine Änderung der Visumpolitik, keine materielle Unterstützung für Dissidenten, die versuchten, den Iran zu verlassen. Kommunikation ersetzte das Handeln und gab sich als solches aus.“

Dagens Nyheter (SE) /

Sie hätte noch viel zu sagen gehabt

Satrapis Werk Persepolis ist auch heute noch aktuell, meint Dagens Nyheter:

„Für Satrapi ist es ein wichtiges Anliegen zu zeigen, dass Iraner Menschen sind, wie alle anderen auch. In Zeiten gegenseitiger Dämonisierung ist dies eine unerlässliche Aufgabe. Man lernt das Leben der jungen Marjane und ihres Umfelds hautnah kennen – man weint und lacht mit ihr. Sie lässt einen nie vergessen, dass Demokratie mit den Rechten der Frauen beginnt und dass dieser Kampf unaufhörlich geführt werden muss. Persepolis gehört zu den Büchern, die in den Vereinigten Staaten am häufigsten von Bücherverboten betroffen sind. Marjane Satrapi hätte noch viel zu sagen gehabt.“