Ukraine-Gipfel in London: Was hat er gebracht?
In London haben die Staats- und Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Ukraine den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem sofortigen Waffenstillstand und Verhandlungen über ein Ende des Krieges aufgerufen. In einer gemeinsamen Erklärung forderten Keir Starmer, Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Wolodymyr Selenskyj eine "aktive" Beteiligung Europas und der USA an Friedensgesprächen.
Selenskyj ist mehr als ein Bittsteller
Der Londoner Gipfel markiert einen Wendepunkt, ist La Repubblica überzeugt:
„Zum ersten Mal befindet sich Moskau an der militärischen Front in offensichtlichen Schwierigkeiten, und somit kann der 'Club der Willigen' die Initiative ergreifen, indem er darauf abzielt, die Rolle der USA als Vermittler zu übernehmen. … Nicht nur das: Der Blitzangriff mit Langstrecken-Drohnen, mit dem Selenskyj Sankt Petersburg zeitgleich mit dem 'russischen Davos' getroffen hat, zeigt, dass Putin nicht einmal in der Lage ist, seine eigene Stadt zu verteidigen. ... Daraus ergibt sich eine geänderte Situation, in der Selenskyj zum ersten Mal strategisch im Vorteil zu sein scheint und daher nicht nur nach London kommt, um um Hilfe zu bitten, sondern vor allem, um Lösungen vorzuschlagen.“
Kyjiw wird als Verbündeter immer wertvoller
Die Ukraine spielt zunehmend eine wichtige Rolle als Sicherheitspartner Europas, beobachtet The Independent:
„Die Ukrainer verfügen über die größte Armee Europas und haben sich zu weltweiten Vorreitern in der Revolution der Kriegsführung entwickelt, die durch Drohnen- und Anti-Drohnen-Technologie (und bald auch durch KI) ausgelöst wurde. ... Die Europäer können viel von der Ukraine lernen, die militärische Beziehung ist längst keine Einbahnstraße mehr. ... Während das Vereinigte Königreich weiterhin eine neue Sicherheitspartnerschaft mit Europa aufbaut – die notgedrungen vorerst außerhalb der bestehenden Strukturen der Europäischen Union funktionieren muss –, ist klar, dass die Ukraine nicht länger Bittsteller ist, sondern eine für diese Aufgabe unentbehrlicher und willkommener Verbündeter.“
Reihen bei der Verteidigung schließen
Europa muss mehr tun, um die ukrainische Luftabwehr zu unterstützen, fordert De Volkskrant:
„Gerade jetzt, da in Russland Zweifel aufkommen, kann und muss Europa mehr tun, um den Wahnsinn von Putins Kriegslust deutlich zu machen. Solange europäische Bauteile noch in russischen Raketen landen, solange irisches Aluminium noch an die russische Kriegsindustrie geliefert wird und solange europäische Staats- und Regierungschefs der Sicherung des ukrainischen Luftraums keine Priorität einräumen, machen sie sich selbst und ihren Bürgern etwas vor. Denn die Linderung dieser ukrainischen Notlage füllt auch die Lücken in unserer eigenen Verteidigung.“