Iran-Krieg: Kommt der Waffenstillstand?
Die USA und Iran haben sich mehreren Quellen zufolge auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt. Dies verkündete zunächst der pakistanische Premier Shehbaz Sharif, dessen Land im Konflikt vermittelt. Die offizielle Unterzeichnungszeremonie solle am Freitag erfolgen. Unklar bleiben die Inhalte des Abkommens sowie die Frage, ob erneute israelische Angriffe im Libanon die Einigung gefährden können.
Zum Jubeln noch zu früh
Dagens Nyheter sieht wenig Handfestes:
„Bevor die Welt darüber jubelt, dass ein verheerender Krieg beendet ist, sollte man sich genau ansehen, welche Art von Abkommen tatsächlich auf dem Tisch liegt. Es handelt sich nicht um ein Friedensabkommen. Es ist eine Verlängerung eines Waffenstillstands, den weder die USA, noch der Iran oder Israel eingehalten haben. ... Es handelt sich um ein Memorandum of Understanding, eine Absichtserklärung, die noch nicht unterzeichnet wurde. Was nun möglicherweise geschieht, ist laut Trump auch, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Die war vor dem 28. Februar offen, als die USA und Israel den Krieg begannen.“
Schwierige Umsetzung
Auch Naftemporiki ist skeptisch:
„Ein Waffenstillstand, der dauerhafte Sicherheit am Golf schafft, wäre das wünschenswerte Zukunftsszenario; doch der Glaube daran erfordert großen Optimismus. Die für die Umsetzung des Abkommens vorgesehene 60-tägige Verhandlungsfrist ist zu kurz für die angeblich geplanten technischen Maßnahmen bezüglich des hochangereicherten Urans aus dem Iran. Obwohl der Iran aufgrund militärischer Verluste und der Schwächung seiner Verbündeten an regionaler Macht eingebüßt hat, hat er durch die Kontrolle der Straße von Hormus – ein Ergebnis dieses Krieges – strategische Macht gewonnen.“
Für Washington alles andere als ein Erfolg
Eine klare Niederlage für die USA sieht Jutarnji list:
„Während Donald Trump zum x-ten Mal irgendein großartiges Abkommen mit dem Iran ankündigt, das einen Sieg der USA beweisen soll, muss man sich ernsthaft fragen, ob der 80-jährige US-Präsident ein pathologischer Lügner oder schlicht verrückt ist. ... Es sind tausende Menschen ums Leben gekommen, hauptsächlich im Iran und Libanon, während die globalen Energiepreise stark gestiegen sind. Das Ergebnis: Das militärisch-theokratische Regime in Teheran hat seine Macht zusätzlich gestärkt, der Iran erpresst die umliegenden arabischen Länder und einen Großteil der Welt, und von einer Demokratisierung des Landes spricht niemand mehr. Wenn das ein Sieg sein soll, wie der US-Präsident sagt, wie sieht dann eine Niederlage aus?“
Teheran wird es als großen Sieg inszenieren
Correio da Manhã sieht das Regime im Iran gestärkt:
„Das Abkommen wird sich auf 14 Punkte zur Beendigung des Konflikts konzentrieren, wobei der Schwerpunkt auf der Öffnung der Straße von Hormus, der Freigabe der eingefrorenen iranischen Finanzguthaben und der Lockerung der gegen Teheran verhängten Sanktionen liegt. Sollte diese Agenda umgesetzt werden, zeigt sie deutlich, dass die Situation für den Iran weitaus vorteilhafter ist als für Trump. Im Bewusstsein dieser vorteilhaften Position kündigte Teheran die Beisetzung des ehemaligen Obersten Führers Ali Chamenei an. ... Diese Beisetzung wird sicherlich dazu genutzt werden, den Sieg des Regimes zu verkünden.“
Israel lässt sich kein Abkommen aufzwingen
Israel wird versuchen, einen Waffenstillstand zu verhindern, befürchtet La Stampa:
„Für Israel war dieses Abkommen bereits eine Enttäuschung: Es garantiert weder die Zerstörung des iranischen Atom- und Raketenprogramms, noch neutralisiert es die Hisbollah, noch eliminiert es Teherans regionale Achse. Es friert den Krieg ein, ohne Netanjahu den strategischen Sieg zu verschaffen, den er weiterhin für sich beansprucht. Der israelische Angriff auf Beirut ist daher nicht nur eine Reaktion auf die Hisbollah. Er trifft den Kern des Abkommens. Er lotet die Fähigkeit der USA aus, Israel Grenzen zu setzen. Er signalisiert dem Iran, dass Washington zwar einen Waffenstillstand versprechen, ihn aber seinem wichtigsten Verbündeten nicht unbedingt aufzwingen kann.“