Drohnenfund in Leipzig: Moskaus hybrider Krieg?

Auf dem Flughafen Leipzig/Halle ist in der Nacht auf Mittwoch eine mit einem Sprengsatz ausgestattete Drohne gefunden worden. Sie befand sich in der Nähe einer großen Frachtmaschine von Antonov Airlines. Die ukrainische Fluggesellschaft nutzt den deutschen Airport seit 2022 anstelle von Kyjiw als Drehkreuz. Europas Medien erörtern Russlands mögliche Verantwortung für den Vorfall und wie ernst die Gefahr durch derartige Attacken ist.

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Echo (RU) /

Russland trainiert offenbar Sabotageakte

In einem von Echo übernommenen Telegram-Beitrag fragt sich Politologe Wladimir Pastuchow, ob Europa gegen Russland mit gleicher Münze zurückschlagen wird:

„Mir scheint, Russland trainiert intensiv. Der Vorfall in Leipzig sagt mehr über die Pläne des Kremls aus als Dutzende theoretischer Modelle. ... Ich gehe davon aus, dass Putin die Logik von Spezialoperationen grundsätzlich näher steht als die Logik von Militäroperationen, und es fällt ihm wohl leichter, gegen Europa mit einem asymmetrischen Zug zu beginnen. ... Ich denke, der Begriff 'Sabotage' wird bald wieder in den politischen Wortschatz Europas zurückkehren. Die einzige Frage, die ich in diesem Zusammenhang habe, lautet: Folgt darauf eine symmetrische Reaktion?“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Bislang nur ein Verdacht

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt vor allzu schnellen Schlüssen:

„Der verwendete Sprengstoff legt staatliche oder zumindest staatlich unterstützte Akteure nahe; die Nähe einer aufgefundenen Drohne zu ukrainischen Flugzeugen verweist auf Russland. Aber es sind eben nur Hinweise, keine Gewissheiten. Der Staat muss sich schon sicher sein. Es geht hier um eine Frage von weitreichender außenpolitischer Bedeutung. Müsste die NATO reagieren? Müsste man weitere Sanktionen gegen das Land verhängen? Das sind keine trivialen Fragen.“

Handelsblatt (DE) /

Besser auf hybriden Krieg vorbereiten

Verteidigungsfähigkeit muss man breit verstehen, mahnt das Handelsblatt:

„Die Gesamtverteidigung funktioniert nur, wenn auch kritische Infrastrukturen wie Flughäfen, Wasser- und Energieversorger, Telekommunikationsanbieter, Krankenhäuser oder die Lebensmittelbranche wirksam gegen hybride Angriffe geschützt werden. Vielleicht sollte sich die Bundesrepublik ein Beispiel an Taiwan nehmen. Der asiatische Inselstaat trainiert im Rahmen eines großen Militärmanövers gerade auch den Zivilschutz, um für einen Angriff durch China vorbereitet zu sein. Zu den geübten Ernstfällen gehört ein Ausfall des Handynetzes. Auch das ist ein hybrides Angriffsszenario, das hierzulande wahrscheinlich einiges Chaos verursachen würde und auf das Deutschland nur unzureichend vorbereitet ist.“

Iltalehti (FI) /

Bedrohung ernst nehmen, Panik vermeiden

Iltalehti wünscht sich Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit:

„Auch wenn die Situation ungewöhnlich und sogar bedrohlich ist, gibt es keinen Grund zur Panik. Das darf man auf keinen Fall vergessen, denn eines der Ziele hybrider Operationen besteht darin, in die Köpfe der Bürger einzudringen und Angst zu schüren. … Die Drohne in Leipzig war wohl kaum als Kriegserklärung an Deutschland gedacht, aber sie war eine Erinnerung daran, dass der Krieg in der Ukraine nicht nur ein Krieg innerhalb der Ukraine ist. Die aus der Ukraine bekannten Technologien und Vorgehensweisen breiten sich auch auf den Luftraum und die Infrastruktur anderer europäischer Länder aus.“

Unian (UA) /

Europa muss die Signale richtig lesen

Auch ohne Militäraufmarsch an den Grenzen führt Moskau längst Krieg gegen Europa, mahnt Unian:

„Russland versucht, den Krieg so ins Hinterland Europas zu verlagern, dass sich die Europäer weiterhin einreden können, es gäbe auf ihrem Territorium keinen Krieg. In Wirklichkeit ist er längst angekommen – in Form von Sabotageakten, Geheimdienstüberwachung, Brandstiftungen, Sprengsätzen, Cyberangriffen und Einschüchterungsversuchen gegen diejenigen, die die Ukraine unterstützen. Die Frage ist daher nicht mehr, ob der Kreml einen hybriden Krieg gegen Europa führt. Die Frage ist vielmehr, wie viele Warnsignale die europäischen Hauptstädte noch brauchen, um von der Reaktion auf einzelne Vorfälle zu einer systematischen Spionageabwehr überzugehen.“

Latvijas Avīze (LV) /

Wegwerfagenten wissen oft nicht, was sie tun

Latvijas Avīze stellt Überlegungen zu Drahtziehern und Tätern an:

„Der hochwirksame Sprengstoff Semtex steht nur nationalen Armeen und möglicherweise auch gut organisierten Terrorgruppen zur Verfügung, nicht aber Laien. ... Für derartige Sabotageoperationen rekrutieren die russischen Geheimdienste in der Regel über soziale Netzwerke sogenannte 'Low-Level-Agenten', auch als 'Wegwerfagenten' bekannt. Dabei wird eine Person gefunden, die bereit ist, die gewünschte Aufgabe für ein relativ geringes Entgelt zu erledigen. Der Auftraggeber selbst bleibt anonym, und der Täter weiß nicht einmal, zu welchem Zweck er arbeitet.“