Drohnentreffer in Rumänien: Wie soll die Nato reagieren?
Beim Einschlag einer Drohne in einen Wohnblock im rumänischen Galați wurden in der Nacht auf Freitag zwei Menschen verletzt. Nach offiziellen Angaben handelte es sich um eine russische Drohne mit Sprengladung. Zeitgleich war der 20 Kilometer entfernt gelegene ukrainische Donauhafen Reni angegriffen worden. Rumänien verfügte die Schließung des russischen Generalkonsulats in Constanța. Den Medien ist dies als Reaktion nicht genug.
Eine militärische Antwort ist gefordert
Für den Politologen Abbas Galliamow ist das Geschehen kein Zufall. Er schreibt auf Facebook:
„Sollte die Reaktion der Nato ausschließlich diplomatischer Natur bleiben, wird Putin dies als offizielle Einladung zu einer Invasion auffassen. Jedenfalls werden die 'Falken' in seinem Umfeld den Vorfall genau so interpretieren. Wäre ich in der Führung des Bündnisses, würde ich den Befehl zur Verlegung einiger Einheiten in Richtung Osten erteilen. Die Reaktion muss militärischer Natur sein. Man muss Panzerketten knirschen hören. Ich schließe absolut nicht aus, dass der Einflug kein Zufall war. Putin kann sich noch nicht zu einer vollwertigen Invasion im Baltikum entschließen und zieht es vor, still und leise die Lage zu sondieren.“
Nicht mehr Peripherie, sondern vorderste Front
Zu einem grundlegenden Perspektivwechsel rät der Militäranalyst Alexandru Grumaz in Adevărul:
„ Von 'Ostfront' statt wie bisher von 'Ostflanke' zu sprechen, ist keine bloße Wortänderung, sondern Ausdruck einer neuen strategischen Realität. … Die Botschaft ist klar: Europa kann sich nicht mehr ausschließlich auf den Schutz durch andere verlassen. Wenn es ein revisionistisches und zunehmend aggressives Russland abschrecken will, muss es seine Verteidigung selbst in die Hand nehmen, in glaubwürdige militärische Fähigkeiten investieren und die politische Einheit der westlichen Allianz wahren. In einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur ist die Ostfront nicht mehr die Peripherie des Kontinents, sondern dessen wichtigste Verteidigungslinie.“
Abwehr im Schneckentempo
Rumänien ist trotz seiner Grenzlage zur Ukraine noch immer nicht vorbereitet, schimpft republica.ro:
„Seit vier Jahren beruhigt uns der rumänische Staat. Die Behörden sagen, sie beobachten und arbeiten. ... Tatsächlich sind wir kein Stück weitergekommen. Wir haben ein neues Gesetz, das erlaubt, Drohnen abzuschießen, doch jetzt merken wir, dass es viel zu viele Einschränkungen gibt. … Dieses Schneckentempo charakterisiert uns. Nach vier Jahren Krieg und drei Jahren seit der ersten Verletzung des Luftraums durch eine russische Drohne verfügen wir nicht über Flugabwehrsysteme. Was wäre, wenn wir es mit einer noch größeren Sprengladung zu tun gehabt hätten?“
Als sei der Krieg noch sehr weit weg
Die Nato ist nicht auf scharfes Schießen eingestellt, schreibt der ehemalige Parlamentarier Mustafa Nayyem auf Facebook:
„Ein Nato-Land, mit Flugzeugen in der Luft, mit der Erlaubnis zu schießen und mit vollem Verständnis dessen, was genau auf es zufliegt, hat nichts gegen eine einzige billige Shahed-Drohne unternommen – und nicht etwa, weil jemand dort Angst bekommen oder verschlafen hätte, sondern weil seine Regeln, seine Technik und seine ruhige Alltagsroutine nicht darauf ausgelegt sind, dass der Krieg so nahe heranrückt. Und Russland tastet – wenn man nach diesen seltsamen Vorfällen urteilt und danach, dass die Trümmer seiner Drohnen bereits wiederholt auf rumänischem Boden gefunden wurden – methodisch und nahezu gelassen ab, wo genau die Ostflanke ihre schwächste Stelle hat.“
Bereits vor den eigenen Grenzen eingreifen
Novinky.cz schlägt vor, die Nato-Staaten sollten zur Drohnenabwehr ihr Operationsgebiet ausweiten:
„Rumänien, Polen, aber auch die Slowakei und Ungarn sowie die baltischen Staaten müssen geduldig warten, bis Drohnen oder Raketen ihre Grenzen überfliegen, was die Zeit für die Abwehr verkürzt. ... Rechtlich gesehen ist das in Ordnung, aber es ergibt wenig Sinn. ... Es wäre vielleicht sinnvoll zu zeigen, dass in einem solchen Fall die Luftverteidigung auch über [Nato-]Nachbarländern eingreifen würde. Der Kreml würde wie eine tollwütige Katze knurren und die Krallen ausfahren, aber das wäre dann auch schon alles. Selbst die größten russischen Hardliner würden eine Eskalation nicht gutheißen.“
Das kennen wir schon von Putin
La Stampa erkennt ein Zeichen russischer Schwäche:
„Jedes Mal, wenn Wladimir Putin im Ukraine-Krieg in Bedrängnis gerät, versucht er verzweifelt, die Eskalation auszuweiten. Es geschah Ende 2022, als ukrainische Streitkräfte Charkiw und Cherson befreiten und Putin mit der nuklearen Drohung wedelte, um die USA und Europa einzuschüchtern. Dies veranlasste die damalige Biden-Regierung, ihre Unterstützung für Kyjiw einzuschränken. Dasselbe tut er nun, indem er die baltischen Staaten und Rumänien mit Drohnenangriffen bedroht. Denn trotz Trumps Verrat an der Ukraine und Europa leistet Kyjiw mit europäischer Unterstützung nicht nur weiterhin Widerstand, sondern bereitet Moskau ernsthafte Schwierigkeiten.“