Drohnenvorfall in Leipzig: Spuren führen nach Russland
Die Bundesregierung macht Russland für den versuchten Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden zeigten klar eine "russische Involvierung", sagte Außenminister Johann Wadephul und kündigte weitere Sanktionen an, darunter die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und die Kündigung des Russischen Hauses in Berlin. Man befinde sich nicht im Krieg mit Russland, sei aber "Kriegsziel". Was folgt aus dieser Erkenntnis?
Europa muss noch einen Schritt weiter gehen
Eine Reaktion auf die russischen Attacken war überfällig, befindet die Frankfurter Rundschau:
„Es ist zusätzlich auch ein Signal an die Bürgerinnen und Bürger der EU, die russische Bedrohung ernster zu nehmen und nicht nur als einen fernen Krieg gegen die Ukraine wahrzunehmen. Die Sanktionen alleine reichen nicht. Deutschland und dessen Partner werden noch mehr als bisher erledigen müssen, um die Folgen des russischen hybriden Kriegs einzudämmen, zu dem auch Sabotage und Desinformationskampagnen gehören. ... Die EU sollte noch einen weiteren Schritt gehen. Spanien und Griechenland sollten ihre Munition der Raketenabwehr vom System Patriot der Ukraine überlassen, damit sich das überfallene Land wieder besser gegen russische Angriffe schützen kann.“
Besonnene Reaktion Berlins
Der Tages-Anzeiger lobt die Reaktion:
„Das ist ein moderates Signal an Putin, ein verhaltenes gar, weil Berlin darauf verzichtet hat, die Nato einzuschalten. Doch es ist auch eine besonnene Reaktion, denn damit steht dieses Mittel der Eskalation dem deutschen Kanzler Friedrich Merz weiterhin zur Verfügung: Zunächst Artikel 4, der Konsultationen im Verteidigungsbündnis vorsieht, wenn 'die Unversehrtheit oder die Sicherheit' eines Alliierten bedroht ist. Stellt der russische Bully seine Provokationen dann immer noch nicht ein, könnte die Nato Artikel 5 aktivieren, den Bündnisfall – bis zum Krieg in Europa wäre es dann nicht mehr weit. Rational gesehen kann Putin kein Interesse haben, dass es so weit kommt. Aber besonders rational agiert dieser Kriegsherr schon länger nicht mehr.“
Nun fällt der letzte Puffer weg
Die Zeit rein diplomatischer Antworten ist leider vorbei, konstatiert De Standaard:
„Deutschland und seinen Nato-Verbündeten muss nun alles dran gelegen sein, sich der Logik zu entziehen, nach der Kriegshandlungen die einzig mögliche Gegenmaßnahme sind. Vielleicht bietet das Konzept der 'hybriden Verteidigung und Abschreckung' noch eine Zeit lang Aufschub, mit einer Kombination aus diplomatischen und wirtschaftlichen Sanktionen und dem beschleunigten Ausbau der eigenen Verteidigung. Doch das bisschen Diplomatie, das sich zaghaft gehalten hatte, wird dadurch kaputt gemacht. Die Positionen verhärten sich unweigerlich. Es gibt keinen Puffer mehr, um nicht zu reagieren.“
Bürokraten zu überstürzten Maßnahmen provoziert
Journalist Sergej Aslanjan macht sich auf Facebook über die Reaktion lustig:
„Russland hat hinterhältig gehandelt, obwohl es weiß, dass die Bundeswehr nachts nicht online ist und nur während der Arbeitszeit von 8 bis 17 Uhr, bei Tageslicht und mit einer Mittagspause Krieg führt. Militärische Aktionen Russlands auf deutschem Territorium stören den Arbeitsablauf des Bundeskanzlers, bringen die Arbeit seines Stabs durcheinander und verhindern eine wohlüberlegte Reaktion, wodurch die Regierung zu übereilten Maßnahmen provoziert wird, was sich erheblich auf die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands auswirkt, den Soldaten der Bundeswehr ihre garantierten Vergünstigungen vorenthält, den Arbeitsablauf stört und die Kampfausbildung erschwert.“
Leipzig war Teil einer ganzen Kampagne
Russland verfolgt mit kleinen Aktionen einen großen Plan, schreibt Militärexperte Alexandru Grumaz auf Adevărul:
„Moskau versucht jenes System zu treffen, das der Ukraine hilft, ihren Kampf fortzusetzen. ... Hier liegt das grundlegende Problem für die Nato. Ein massiver Angriff auf ein Mitgliedsland lässt sich politisch und militärisch relativ leicht einordnen. Eine in der Nähe eines Flughafens gefundene Drohne, ein verdächtiger Brand in einer Fabrik, ein beschädigtes Kabel, eine manipulierte Überwachungskamera oder ein über Telegram rekrutierter Saboteur sind hingegen viel schwieriger zu handhaben. Jeder einzelne Vorfall mag für eine größere Reaktion zu klein sein. Zusammen können sie jedoch eine Kampagne bilden. Das ist das Wesen des hybriden Krieges.“