Xi besucht Trump: Was kann die Welt erwarten?
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping kommt am heutigen Mittwoch zu einem Staatsbesuch nach Washington. Bei den Gesprächen geht es um global bedeutsame Streitpunkte zwischen den beiden Supermächten: Der letztes Jahr geschlossene Frieden im Handelskrieg um Zölle und Seltene Erden läuft im November aus. Außerdem stehen Fragen zur KI-Kontrolle, Taiwan, Iran und der Ukraine im Raum.
Ein rotes KI-Telefon wäre gut
Politologe Linas Kojala zeigt sich auf LRT skeptisch, dass bei dem Treffen ein Durchbruch in Sachen KI-Sicherheit gelingt:
„Atomraketen oder Abschussrampen lassen sich zählen und überprüfen. Bei KI-Modellen ist das erheblich komplizierter. Zudem wird ein Großteil der fortschrittlichsten Systeme von privaten Unternehmen entwickelt. Dennoch gibt es bereits einen Präzedenzfall: 2024 einigten sich Joe Biden und Xi Jinping darauf, dass die Entscheidung über den Einsatz von Kernwaffen von einem Menschen getroffen werden muss, nicht von Künstlicher Intelligenz. Das ist eine sehr eng gefasste Vereinbarung, aber sie zeigt, dass ein Boden dafür vorhanden ist. ... Zu Beginn würde bereits ein ständiger Kanal genügen, um ernste KI-Zwischenfälle zu besprechen und Informationen über gefährliches Verhalten von Systemen auszutauschen.“
Gemeinsam könnten sie Putin stoppen
Wiktor Schlintschak, Leiter des Institute of World Policy, hegt auf Facebook leise Hoffnung, dass Trump seinen chinesischen Amtskollegen zu einer Kurswende in Sachen Russland motivieren kann:
„Trump allein wird Putin nicht aufhalten können, aber gemeinsam mit Xi, der morgen bereits zu einem Staatsbesuch in den USA sein wird, könnte er es schaffen. Xi ist sich der derzeitigen innenpolitischen und geopolitischen (aufgrund des Iran) Verwundbarkeit Donalds bewusst und wird daher im Gegenzug große Gefälligkeiten verlangen. Dazu gehört auch der Verzicht auf militärische Unterstützung für Taiwan. Deshalb kommt es vor allem darauf an, was morgen in Washington beim Gipfeltreffen der 'Großen Zwei' geschieht. Für beide ist dies eine Chance, Russland aus dem Spiel zu nehmen.“
Wohl weiter Waffenruhe im Konkurrenzverhältnis
TVNet erwartet nicht, dass der bevorstehende Gipfel etwas am Wesen der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ändert:
„Der aktuelle Dialog konzentriert sich hauptsächlich auf die Gestaltung ihrer Beziehungen und nicht auf die gemeinsame Lösung globaler Probleme. ... Die USA und China werden weiterhin um Technologie, Lieferketten und einen größeren Einfluss im asiatisch-pazifischen Raum konkurrieren, und es wird keine unmittelbare Veränderung in der Taiwan-Frage geben. Seltene Erden, Chips, Sanktionen und Zölle werden weiterhin als Druckmittel eingesetzt. Sollten sich beide Seiten nach Xis Besuch in Washington weiterhin auf die bevorstehenden Treffen beim APEC-Gipfel im November und dem G20-Gipfel im Dezember vorbereiten, würde der aktuelle Waffenstillstand lediglich um einige Monate verlängert.“
Zwei Staatschefs mit Schwächen statt Weitsicht
Trump und Xi sind sich ähnlicher, als sie wohl zugeben möchten, glaubt Financial Times:
„Sowohl Trump als auch Xi lieben Pomp und Zeremoniell. Davon wird es in Washington reichlich geben – doch über die Themen, die für die Welt von Bedeutung sind, dürfte es wohl kaum ernsthafte Gespräche geben. Das Treffen wird kein modernes Gegenstück zum Gipfeltreffen zwischen Reagan und Gorbatschow in Reykjavík von 1986 sein, bei dem die beiden Staatschefs über eine radikale Abrüstung ihrer Atomwaffen diskutierten und ein Ende des Kalten Krieges in greifbare Nähe rückte. Trump und Xi repräsentieren rivalisierende Staaten. Doch leider weisen die beiden Staatschefs viele der gleichen Schwächen auf – Narzissmus, Nationalismus und einen begrenzten Horizont. Die Welt braucht aber weitsichtige Staatschefs.“
Wie viel riskieren die USA für Israel?
Das Treffen wirft ein Licht auf die entscheidenden Fragen des Iran-Konflikts, meint der ehemalige Weltbank-Ökonom István Dobozi in Népszava:
„Washington muss nun auch abwägen, wie viel es in seinen Beziehungen zur zweitgrößten Supermacht der Welt zu riskieren bereit ist, um maximalen Druck auf Teheran auszuüben. ... Hier wird die Frage nach Israels 'strategischem Preis' wirklich greifbar. Wenn sich die Folgen des Iran-Krieges auch auf die amerikanisch-chinesischen Beziehungen, die Weltwirtschaft, die Energiepreise und die militärischen Fähigkeiten der USA auswirken, wird es für Washington zunehmend schwieriger, davon auszugehen, dass die Interessen Israels und der Vereinigten Staaten automatisch übereinstimmen.“