Litauen: Migration aus Richtung Belarus nimmt zu

Seit der Flugzeugkaperung und der Zuspitzung des Konflikts zwischen Vilnius und Minsk kommen spürbar mehr Migranten über die belarusische Grenze nach Litauen. Das sind aber nicht nur geflüchtete Regime-Kritiker, sondern auch Weitergereiste aus Russland, Irak oder Iran. Litauen vermutet, dass Belarus die Menschen absichtlich passieren lässt. Wie damit umzugehen ist, erörtern die Landesmedien.

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Lrt (LT) /

Hoffnung auf europäische Solidarität

Es gibt derzeit keine rechtlichen Mittel, um Belarus von solchen absichtlichen Schritten abzuhalten, schreibt die Jura-Professorin Lyra Jakulevičienė auf Lrt:

„Belarus wäre verpflichtet, die illegalen Migranten, die aus seinem Territorium gekommen sind, zurückzunehmen, wenn es mit Litauen ein Rückführungsabkommen unterzeichnet hätte. Aber so einen Vertrag gibt es nicht. ... Deshalb sollten wir auf weiter steigende Zahlen und die Aufnahme der Migranten aus Belarus vorbereitet sein. Falls die Lage sich weiter zuspitzt, bleibt die Hoffnung auf die Solidarität und Hilfe der EU-Staaten. Ähnlich wie es vor kurzem mit der Umverteilung von Flüchtlingen aus Griechenland und Italien in andere EU-Länder war.“

Kauno diena (LT) /

Nährboden für Angstmacher

Kauno Diena warnt vor Desinformation in Bezug auf die Schutzsuchenden:

„Zelt-Lager sind eine ideale Basis für Informationsattacken. In den Flüchtlingscamps locken die müden und verzweifelten Gesichter den subjektiven Blick der Fotokameras. Und sie sind eine unerschöpfliche Desinformationsquelle. Bestimmt werden die Redaktionen mehrere anonyme Nachrichten bekommen, in denen über Verbrechen in den Camps und Attacken auf einheimische Bewohner berichtet wird. Wie schon 2015 wird die künstlich zugespitzte Flüchtlingskrise auch eine Informationskrise sein, in der es nicht einfach sein wird, die echten politischen Flüchtlinge von den 'Fälschungen' zu unterscheiden und dadurch auch das Schüren von Ängsten zu verhindern.“