Iran-Krieg: Welche Rolle spielt Israel?
Die USA gehen im Iran-Krieg Hand in Hand mit Israel vor. So schrieb sich die israelische Luftwaffe zuletzt die Tötung des Sicherheitsrats-Chefs Ali Laridschanials Erfolg zu. Das selbst immer wieder vom Iran mit Raketen attackierte Israel greift gegenwärtig aber auch im Süden Libanons an, von wo die schiitische Hisbollah ihrerseits Israel beschossen hat. Die Medien beurteilen Israels Rolle und Vorgehensweise auf beiden Kriegsschauplätzen.
Zerstörung der Machtstruktur um jeden Preis
Polityka hinterfragt die Motive Israels:
„Israel handelt so, als wolle es eine unwiederbringliche Gelegenheit ausnutzen. Es greift alle Ziele an, die irgendeinen Bezug zum iranischen Regime haben, aber auch solche, deren Beschädigung soziale Unruhen auslösen könnte. Das Ziel Israels scheint die Zerstörung der iranischen Machtstruktur zu sein, selbst wenn dies Chaos, Bürgerkrieg oder sogar den Zerfall des Iran bedeuten würde. Eine ähnliche Strategie verfolgt Israel auch gegenüber den Palästinensern und derzeit gegenüber dem Libanon.“
Netanjahu gibt den Ton an und profitiert
Politologe Olexij Kopytko sieht auf Facebook Israel ausschließlich auf der Gewinnerseite:
„Israel hat bei diesem Feldzug einen starken Verbündeten an Bord geholt und zerstört systematisch das militärische Potenzial des Iran. Sobald es an seinen Grenzen für mehr Ordnung gesorgt hat, kann es die Gewinne der aktuellen Phase verbuchen. Kollateralschaden in Form von Angriffen auf jüdische Einrichtungen in Ländern wie den Niederlanden und Belgien spielt Netanjahu nur in die Hände. Das heißt, schon jetzt hat Israel zweifellos gewonnen. Jeden Tag sammelt es zusätzliche Pluspunkte. Der Begriff 'Israels Krieg gegen den Iran' entspricht voll und ganz dem, was gerade geschieht.“
Die Hisbollah besser politisch besiegen
NRC kritisiert Israels Angriffe im Libanon als falsche Strategie:
„Nach Jahrzehnten des Konflikts sollte mittlerweile klar sein, dass militärische Machtdemonstration die Hisbollah nicht vernichtet. Getötete Anführer werden ersetzt, Waffenlager verlegt, Kämpfer halten sich bedeckt, bis die nächste Gefechtsrunde beginnt. Israel hat das Recht, seine Bevölkerung bei einem Angriff militärisch zu schützen, doch nur eine politische Lösung, bei der alle Parteien die Rechte der Libanesen respektieren, kann die Hisbollah wirklich besiegen. Jetzt muss die zivile Bevölkerung unter den israelischen Luftangriffen unverhältnismäßig leiden.“
Das verkraftet kein demokratisches Gemeinwesen
Auch der Tagesspiegel hält Israels Vorgehen gegen die Hisbollah für einen Fehler:
„Denn mit Bomben allein wird die Hisbollah nicht zu besiegen sein. Sie verheeren nur das Land, töten oder vertreiben Frauen, Kinder und Männer, die nichts mit diesem Konflikt zu tun haben. Das verursacht Wut, auf der sich keine Stabilität gründen lässt, geschweige denn so etwas wie halbwegs friedliche Zeiten. Ohne eine umfassende Bodenoffensive ist die Bedrohung durch die Miliz nicht aus der Welt zu schaffen. ... Das hieße, Israel bleibt auf unabsehbare Zeit ein Land im Kriegsmodus. Dieser Ausnahmezustand überfordert nicht nur die Streitkräfte und die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft. Immer mit der Waffe in der Hand – das verkraftet kein demokratisches Gemeinwesen.“
Belastung einer langen Freundschaft
Kathimerini blickt auf die künftigen Beziehungen zwischen den USA und Israel:
„Da die Kosten der Operation zunehmend auf den amerikanischen Wählern lasten, wird sich die Kritik auf eine einfache Frage zuspitzen: 'Warum – und wem zuliebe – sind wir eigentlich in den Krieg gezogen?' ... Das Ausmaß, in dem Trump – und damit auch die Vereinigten Staaten – sich mit den Entwicklungen im Iran und mit Netanjahu identifiziert hat, wird voraussichtlich erhebliche politische Folgen haben. Kurzfristig könnten diese bei den Kongresswahlen im November spürbar werden. Darüber hinaus könnten sie die Belastbarkeit der langjährigen Doktrin der bedingungslosen US-Unterstützung für Israel auf die Probe stellen.“