Washington: Schüsse bei Gala-Dinner mit Trump

Beim traditionellen Korrespondenten-Dinner in Washington sind Schüsse gefallen. US-Präsident Donald Trump, seine Frau Melania Trump und mehrere Kabinettsmitglieder wurden in Sicherheit gebracht. Ein 31-Jähriger, der eine Schrotflinte, eine Handfeuerwaffe und mehrere Messer bei sich getragen haben soll, wurde festgenommen. Kommentatoren fragen sich, was das für Folgen haben könnte.

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Visão (PT) /

Der Präsident schürt die Spannungen

Jeden noch so beunruhigenden Moment weiß der US-Präsident für sich zu nutzen, schreibt Visão:

„Ein weiterer Schütze, ein weiterer Vorfall in einer Reihe, die allem Anschein nach noch nicht zu Ende ist – weder während noch nach seiner Zeit im Weißen Haus. Es herrscht eine rohe Energie, eine anhaltende Wut, die sich gegen Trump richtet. … Trump weiß, dass ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist. Er schürt diese Spannung, spielt damit. Und angesichts der Beinahe-Tragödie zieht er zwei einfache Schlussfolgerungen: den Bau des Ballsaals im Weißen Haus – dem sichersten Ort der Welt – zu beschleunigen und dem Secret Service Lob zu zollen. Kalkuliert. Wie immer.“

Večernji list (HR) /

Auf dem Weg zu einem sehr düsteren Ort

Würde ein Attentat auf Trump gelingen, könnte das den Beginn eines Bürgerkrieges in den USA bedeuten, fürchtet Večernji list:

„Eine Kugel wäre ausreichend für eine katastrophale Veränderung der USA und damit der Welt. ... Würde einer der Verrückten, die in den letzten Jahren versucht haben, Trump zu töten, Erfolg haben, wäre dies ein Ereignis, das ernste globale Folgen haben würde. Amerika würde über Nacht ein sehr düsterer Ort und die Radikalisierung würde überhandnehmen. Eine sowieso schon polarisierte Nation würde sich weiter spalten, so als würde jemand einen Tanklaster in ein seit Wochen loderndes Feuer fahren. ... Diejenigen, die ihren Präsidenten verloren haben, würden voller Wut reagieren und einige vielleicht sogar bewaffnete Aufstände wagen.“

La Stampa (IT) /

Grausamkeit zum Spektakel gemacht

Kommentator Alan Friedman analysiert in La Stampa:

„In Trumps Amerika entsteht das Klima des Hasses aus seiner täglichen Hetze, nährt sich von dem von ihm gesäten Groll und erzeugt eine aggressivere, stärker fragmentierte und ängstlichere Gesellschaft. Trump hat die amerikanische Gewalt nicht erfunden. Aber er hat sie legitimiert. Er hat das Opferbewusstsein zur Ideologie, den Groll zur Wahlkampfstrategie, die Grausamkeit zum Spektakel und die Rache zu einer Regierungsmethode gemacht. Er verstand eher als viele Republikaner, dass Angst mehr mobilisiert als Hoffnung, dass Wut stärkere Zugehörigkeitsgefühle schafft als politische Programme und dass es einfacher ist, Feinde zu erfinden, als Probleme zu lösen.“

Le Soir (BE) /

Das könnte ihm sogar nutzen

Le Soir blickt auf mögliche Folgen für die Midterms:

„Unmittelbar nach dem Anschlag gab Trump eine souveräne und ruhige Pressekonferenz, in der er Humor bewies und einen (seltenen) Aufruf zur Versöhnung aussprach. ... Der Attentatsversuch gegen ihn im Juli 2024 hatte es ihm ermöglicht, sich bei einem Großteil der Wählerschaft als Messias-Figur zu präsentieren, die von Gott verschont wurde, um Amerika vor dem moralischen Verfall zu retten. Das Foto, das ihn blutüberströmt, aber mit erhobener Faust zeigte, spielte eine entscheidende Rolle bei seiner Wiederwahl. Möge die Wirkung dieses Anschlags nicht dazu führen, dass in sechs Monaten die Fehlentwicklungen unter der politischen und wirtschaftlichen Führung Donald Trumps in Vergessenheit geraten.“