Ziehen die G7 wieder an einem Strang?

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten haben härtere Sanktionen gegen Russland und weitere Waffenlieferungen an die Ukraine beschlossen. Gastgeber Macron bezeichnete den Gipfel in Évian als "Moment des strategischen Erwachens", nachdem Trump im vergangenen Jahr noch frühzeitig abgereist war und damit gemeinsame Beschlüsse verhinderte. Doch einige Kommentatoren halten die Einigkeit für trügerisch.

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La Stampa (IT) /

Neue Hoffnung in Sachen Ukraine

La Stampa zeigt sich optimistisch:

„Der G7-Gipfel in Évian hat zumindest auf dem Papier einen Erfolg erzielt: Donald Trump konnte im Ukraine-Konflikt wieder auf die Seite des Gipfels gezogen werden. Es war der amerikanische Präsident selbst, der seinen Verbündeten am zweiten Gipfeltag in dem Kurort am Genfer See Hoffnung machte: Die Vereinigten Staaten hätten sich bisher 'auf den Iran konzentriert', kommentierte der Tycoon. Gestärkt durch das mit Teheran erzielte Abkommen zur Beilegung der Nahostkrise wolle er sich nun auch dem Konflikt vor Europas Haustür zuwenden. … Der US-Präsident bezeichnete das persönliche Treffen mit seinem ukrainischen Amtskollegen als 'ergiebig'. Dieser schloss ein weiteres Treffen vor Ende des Gipfels nicht aus.“

Der Tagesspiegel (DE) /

Es gibt keinen bequemen Weg zum Frieden

Trumps Andeutung, dass er sich nach dem Iran wieder mehr um die Ukraine kümmern möchte, kann man auch als Gefahr sehen, schreibt Der Tagesspiegel:

„Er sucht den bequemen Weg durch Absprachen mit Putin - ohne Rücksicht auf die Folgen für die Ukraine und Europa. ... Einen verlässlichen Frieden wird es nur geben, wenn Europa versteht: Putin wird erst Zugeständnisse machen, wenn er mit einer militärischen Niederlage rechnen muss. Verträge mit Putin sind nichts wert; er hat bisher nahezu alle gebrochen. Eingehalten wird nur das, was Europa notfalls auch militärisch durchsetzen kann und will. Es gibt keinen bequemen Weg zum Frieden, der ist eine Illusion.“

Tages-Anzeiger (CH) /

Anpassung an Trumps infantiles Gehabe

Der Tages-Anzeiger kritisiert den unterwürfigen Umgang mit Trump:

„Trump hasst ja bekanntlich solche Gipfeltreffen: zu viele Leute, zu lange Gespräche, alles zu multilateral. Er muss also bei Laune gehalten werden, sonst reist er wieder ab - oder er reist gar nicht erst an. Die Franzosen haben deshalb unter anderem den Klimawandel aus dem Gipfelprogramm genommen: Den mag Trump nicht. Entwicklungshilfe mag er auch nicht, darum liess man auch die weg. Alle nehmen dieses infantile Gehabe des mächtigsten Mannes der Welt hin. Weil er eben der mächtigste Mann der Welt ist und sich auch so aufführt. Den soll man nicht brüskieren, dem widerspricht man nicht einmal, wenn er lügt.“

The Daily Telegraph (GB) /

Zeit für die Erweiterung zur G8

Als Institution ist die G7 in der Zeit stehen geblieben, befindet The Daily Telegraph:

„Sie ist nach wie vor ein kleiner Club liberaler Demokratien, die in den 1970er Jahren vielleicht noch zu den sieben bedeutendsten Mächten der Welt gehörten, diesen Anspruch heute jedoch nicht mehr erheben können. Immer wieder wurden Vorschläge gemacht, die Gruppe um Länder wie Australien, Südkorea, Spanien oder Indonesien zu erweitern. ... Es gibt jedoch ein Land, das einen berechtigteren Anspruch auf die Mitgliedschaft in einer erweiterten G8 hätte als alle oben genannten: Saudi-Arabien. Zwar schafft es das Land nur gerade so unter die 20 größten Volkswirtschaften der Welt, doch seine Bedeutung als Vermittler wiegt das bei weitem auf. Es ist eindeutig der Anführer der 'Mittelmächte' im Nahen Osten.“