Drohnenattacke auf Kyjiwer Kloster

Bei einem russischen Luftangriff auf Kyjiw wurde in der Nacht auf Montag auch das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Höhlenkloster getroffen. Das Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale geriet in Brand. Sie stammt aus dem Jahr 1073 und war nach ihrer Zerstörung durch die deutschen Besatzer 1941 in den 1990er Jahren wieder aufgebaut worden.

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Cotidianul (RO) /

Kreml will die Hoheit über die Orthodoxie

Warum Russland ein Kloster angreift, das als wichtiges Zentrum der orthodoxen Christenheit gilt, erklärt der Journalist Mihai Isac im Blog von Cotidianul:

„Weil die ukrainische oder die rumänische Orthodoxie nicht nur eine religiöse Realität ist, sondern ein Akt der nationalen Freiheit. Eine ukrainische Kirche, die in ihrer eigenen Sprache betet, die ihre Märtyrer verehrt, die Moskau nicht um Erlaubnis bittet, widerspricht dem Mythos der 'russischen Welt' [neoimperiale Ideologie]. Deshalb begnügt sich der Kreml nicht damit, Gebiete zu besetzen. Er will Bedeutungen besetzen und entscheiden, wer Christ sein darf, wer orthodox und wer unter den Kuppeln des Imperiums Vasall bleiben muss.“

Abbas Galliamow (RU) /

So verteidigt Moskau also traditionelle Werte

Die Bilder aus Kyjiw sind ein PR-Desaster für Putin, schreibt Politologe Abbas Galliamow auf Facebook:

„Mit dem Angriff auf das Höhlenkloster hat Putin sein so sorgfältig gehegtes Image als Verteidiger des Christentums und Verfechter 'traditioneller Werte' aufs Spiel gesetzt. Für [den extrem rechten Influencer] Tucker Carlson und andere Putin-Versteher im Westen wird es nun viel schwieriger werden, seinen Ruf rein zu waschen. Sie werden vor dem Hintergrund einer brennenden Kathedrale auf Sendung gehen müssen. ... Und vor allem: Wozu war das gut?! Was genau wollte er mit diesem Schlag erreichen? Dass der Krieg gegen ihn, der für die Ukrainer bisher einfach nur patriotisch war, nun auch noch einen heiligen Charakter annimmt? Nun, herzlichen Glückwunsch, das hat er erreicht.“

Krytyka Polityczna (PL) /

Ausdruck russischen Frusts

Krytyka Polityczna sieht den Angriff als Folge zunehmender Ratlosigkeit in der Moskauer Führung:

„Der frustrierte Kreml glaubt, dass er die Ukrainer einschüchtern kann, indem er Orte mit hoher symbolischer Bedeutung angreift, doch stattdessen bewirkt er damit nur eine stärkere Geschlossenheit. Es ist ohnehin schwer, eine Gesellschaft zu demoralisieren, die selbst strengen Frost ohne Strom und Heizung überstanden hat. Es ist höchstens ein Ausdruck der Hilflosigkeit, denn die Russen wissen nicht, was sie tun sollen. Der Krieg dauert an, es gibt keine Aussicht auf einen Sieg, Kyjiw weigert sich, den Donbass freiwillig abzutreten, und ukrainische Drohnen greifen die russischen Nachschublinien erfolgreich an.“