Verheerende Sturzflut im Himalaya
Bei einer Flutwelle in der Gebirgsregion zwischen China und Nepal sind mindestens 472 Menschen ums Leben gekommen. Die vermutlich durch einen Gletscherabbruch ausgelöste Sturzflut war am Mittwoch fast 170 Kilometer weit entlang zweier Flüsse durch Tibet und Nepal gerast und hatte ganze Dörfer mitgerissen. Mehr als 1400 Menschen werden weiterhin vermisst. Kommentatoren führen die Naturkatastrophe vor allem auf den Klimawandel zurück.
Gletscher schmelzen immer schneller
Polityka erklärt:
„Die Ursache war höchstwahrscheinlich einer der Himalaya-Gletscher. ... Ein Teil eines der Gletscher brach ab. Dieser war so groß, dass sein Absturz ein Erdbeben der Stärke 5,3 auf der Richter-Skala auslöste. ... Der Vorfall erinnert an ein Ereignis in Indien vom Juni 2021, bei dem 200 Menschen ums Leben kamen. Damals rutschten 27 Millionen Kubikmeter Material vom Gletscher ab – eine Menge, die dem Volumen von zehn der Großen Pyramiden von Gizeh entspricht. ... Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gletscher im Himalaya doppelt so schnell schmelzen wie zu Beginn des Jahrhunderts. Und das bleibt nicht ohne Folgen.“
Klimaerwärmung schnellstmöglich bremsen
Die verheerende Sturzflut offenbart die Dramatik der Klimakrise, analysiert Dagens Nyheter:
„Diese Katastrophen verdeutlichen einmal mehr, warum es im Interesse aller liegt, die Entwicklung so schnell wie möglich zu bremsen und die globale Erwärmung nicht über 2 Grad steigen zu lassen. Die dafür notwendigen Maßnahmen sind natürlich nicht kostenlos. Aber andererseits ist es auch nicht kostenlos, die Emissionen weiterhin freizusetzen. ... Um diese Tragödien und die wirtschaftlichen Schäden sollte es in der Klimadebatte im Wahlkampf [vor der Reichstagswahl am 13. September] eigentlich gehen. Stattdessen sind Politiker damit beschäftigt, die Bedeutung Schwedens und dessen Gesamtemissionen herunterzuspielen – um den Benzinpreis senken zu können.“
Die Erde wehrt sich gegen ihre Ausbeutung
Solche Naturkatastrophen sind eine Warnung, mahnt L’Humanité:
„Wir würden uns irren, wenn wir glauben, dass Nepal weit weg ist. Was heute an den Ausläufern des Himalayas passiert, könnte morgen auch an den Alpengletschern geschehen. Vor wenigen Tagen waren wir fassungslos angesichts eines Tornados in Pomas bei Carcassonne, einem der stärksten, die Südfrankreich je erlebt hat. ... Nicht die Natur wird wütend, sondern die Erde rebelliert gegen die Misshandlungen durch einen Kapitalismus, der den Planeten und die Menschen auszehrt. ... Die Menschheit bekommt den Preis für die Gier ihrer Führungskräfte zu spüren. ... Man muss in dieser Wut auch eine politische Dimension erkennen – und es wird viel politischer Wille nötig sein, um den radikalen Kurswechsel einzuleiten, den wir brauchen.“